Ticos Welt


                               Ina

 

 

 

 

Ina sa da und starrte abwesend aus dem Fenster. Sie bekam nichts von den Gesprchen mit die um sie herum stattfanden. Immer und immer wieder berlegte sie, was sie denn tun knnte, aber sie kam zu keinem Ergebnis. Sie seufzte gerade leise, als ihre Freundin Bell sie anstupste. „Hast du gehrt? Was hltst du davon?“ Fragend sah Ina sie an. „Ach du, du hast mal wieder nichts mitbekommen“ meckerte Bell los. „Seit ein paar Tagen bist du seltsam, das muss ich dir jetzt schon mal sagen“ Ina zuckte nur mit den Schultern, sie hatte keine Lust, ihrer Freundin alles zu erzhlen. „Ich muss jetzt los, wir sehen uns spter“, mit diesen Worten holte Ina den Geldbeutel raus, suchte das Geld fr die Cola zusammen, legte es auf den Tisch und ging wortlos davon. Die verblfften Blicke ihrer Freundin sah sie nicht mehr.

Langsam und in Gedanken versunken ging sie durch die kleinen Gassen ihrer Stadt. Sie wusste nicht, was sie tun sollte und wie sie alles regeln sollte. Als sie zwischendurch aufblickte, merkte sie, das sie im Stadtpark angekommen war. Mde lie sie sich auf eine Bank fallen und blickte auf den angelegten Teich. Sie hatte keine Ahnung, wie sie das Problem in den Griff bekommen sollte, langsam kam Verzweiflung in ihr hoch. Trnen stiegen ihr in die Augen und sie musste heftig schlucken. Nein, sie wollte nicht schon wieder weinen! Inas Blick glitt in den Himmel und sie verfolgte das Wolken-Sonne-Spiel, das sich ihr bot. Ein Gerusch lie sie zusammenzucken und sie blickte auf ihre Uhr. Es war an der zeit, den Heimweg anzutreten...Ina seufzte noch mal leise und stand schweren Herzens auf, es half ja nichts hier sitzen zu bleiben.

Ina schlug den Weg zu ihrer Wohnung ein, je nher sie der Strasse kam, um so weniger ansehnlich wurde die Gegend. Alles war kahl, die Strassen und Wege ohne Grn, und Hochhuser sumten den Heimweg. Auf fast jeder zweiten Bank saen Obdachlose mit Bierflaschen in der Hand, Scherben lagen an jeder Ecke. Wie immer musste sie den Blick abwenden und suchte Trost im Blau des Himmels, als sie endlich den Schlssel in die Tre steckte und die Haustre aufsperrte. Wie auch schon die letzten Woche betrat sie den Hausflur mit einem komischen Gefhl im Magen, und bemhte sich, die Spinnweben und den Schimmel, die kaputten Trrahmen und Fenster zu ignorieren. Im Vorbeigehen nahm sie die Post aus dem Briefkasten, einen Schlssel dafr brauchte sie nicht- alle Schlsser waren aufgebrochen. Dann stieg sie schnell dir Treppen hinauf in den 4. Stock, ffnete ihre Wohnungstre, als sie drin war drehte sie schnell den Schlssel um. Ihr erster Gang war zu ihrem Fenster, das einzige in der kleinen Wohnung. Sie ffnete es und suchte mit ihren Blicken den Himmel. Ja, dieses Blau beruhigte sie etwas. Dann setzte sie sich in ihren Sessel und ffnete die Post, eine Absage nach der anderen kam zum Vorschein....Ina wusste nicht mehr weiter. Dieses mal lieen sich die Trnen nicht herunterschlucken und sie liefen ihr ber das Gesicht. Bittere Trnen weinend sa sie im Sessel.

Das alles htte sie sich vor ein paar Wochen noch nicht mal in ihren schlimmsten Trumen ausgemalt. Da war die Welt noch in Ordnung. Zornig zerknllte sie die Briefe und warf sie durchs Zimmer. Was konnte sie denn dafr, das ihr Chef sich verspekuliert hatte, die Firma pleite ging und die firmeneigenen Wohnungen versteigert wurden? Das die letzten Gehlter nicht bezahlt werden konnten...nichts, rein gar nichts konnte sie dafr. Aber sie musste es ausbaden, wie so viele andere aus ihrer ehemaligen Firma. Es gab anscheinend so viele arbeitslose Sekretrinnen, das fr sie keine Stelle brig war. Und das Geld vom Arbeitsamt langte gerade fr diese Wohnung in dieser Gegend. Aber mit einem Wohnsitz inmitten lauter Sozialflle bekam man nicht mal die Mglichkeit auf eine neue Arbeit, doch ohne Arbeit konnte sie nicht umziehen...in Teufelskreis war das, in dem Ina steckte.

Ihre Freundin Bell wusste von all dem nichts. Bell hatte keine finanziellen Sorgen, sie arbeitet in der Firma ihres Vaters. Und das war eine angesehene Rechtsanwaltskanzlei mit der besten Lage. Sicherlich, sie htte Bell fragen knnen, ob bei ihrem Vater was frei wre, doch das wollte sie nicht. Sie schmte sich, obwohl sie nichts dafr konnte. Nur: lange konnte sie es sicherlich nicht mehr vor Bell verheimlichen. Ina wischte sich die Trnen aus dem Gesicht und stand auf. „Erstmal einen Bissen essen“ sagte sie zu sich selber und ffnete den Khlschrank. Sie nahm etwas Butter und Honig raus, mehr war nicht drin. Auch das Brot war schon etwas hart, aber Ina schluckte fast trotzig die Bissen hinunter. Nein, sie wrde nicht aufgeben, sie nicht. Nachdem sie die Scheibe Brot langsam aufgegessen hatte, schob sie den Sessel zum Fenster und blickte in den Himmel. Lange sa sie so da und genoss das Bild, das die Wolken im Spiel mit den Sonnenstrahlen ergaben. Von irgendwoher konnte sie leise ein Lied hren und das machte den Anblick noch schner. Als es finster war, stand sie langsam auf, begann sich zu waschen und legte sich ins Bett. Das einzige, was ihr geblieben war, war eine kleine Stereoanlage. Sie holte aus einem Karton ihre Kopfhrer und CDs hervor, schaltete die Anlage ein und genoss die Musik bis sie einschlief.

Am nchsten Morgen blickte Ina aus dem Fenster, alles war trb und eine Wolkenfront hing ber der Stadt.. „Na prima, passt ja super zu meiner Stimmung“, brummte sie, schaltete die Anlage ein und machte sich auf den Weg ins Bad. Als sie wieder das Bad verlie, war ihre Stimmung etwas besser. So eine Dusche wirkt manchmal Wunder, dachte sie bei sich. Frohen Mutes stellte sie Wasser auf den Herd, um sich einen Kaffe zu machen und etwas zu essen. Als sie den Khlschrank ffnete, verschwand ihr gute Laune wieder....auer ein Rest Honig und Butter beinhaltete er ja nichts. Ina dachte seufzend an ihren frher so gut gefllten Khlschrank, was hatte sie nicht alles weggeworfen- und das knnte sie nun alles brauchen. Gut, es half ja nichts und so wrde es eben ein Honigbrot geben „Besser als gar nichts“ sagte sie zu sich, schenkte sich den frisch aufgebrhten Kaffee ein und begann zu essen. Heute war Freitag, kein guter Tag um sich in Firmen vorzustellen oder Bewerbungen einzuwerfen, alle dachten schon ans Wochenende. Ina seufzte, zum ersten Mal an diesem Tag. Und, sie musste dringend etwas einkaufen, nur wie, das war die Frage. Ihr Arbeitslosengeld kam erst in 5 Tagen, ach es war zum heulen.

Nach dem Essen stand Ina auf , holte sich ihren Geldbeutel, den sie Nachts immer unter der Matratze versteckte...ihr war es so sicherer. Sie leerte den Inhalt auf dem Tisch aus und begann zu zhlen. Im Hintergrund lief der Radiosender, ihre Stimmung hellte sich etwas auf, als sie den Refrain des Liedes hrte: „close your eyes and see my blue skies breaking trouhg these dark clouds“ und sie sang leise mit. „27,69 Euro“ murmelte Ina, „na gut das muss eben langen, es sind ja nur noch 5 Tage.“ Und 5 Euro pro Tag waren ja auch nicht so schlecht, sie hatte es schon geschafft mit weniger auszukommen, als der Umzug einiges verschlungen hatte. Ina steckte das Geld wieder ein und ging zum Fenster. Immer noch alles trb und das regnen hatte es auch noch angefangen. Aber es half nichts, das Brot wrde fr heute nicht mehr reichen. Sie trank den letzten Schluck aus der Tasse, stellte sie in die kleine Sple, nahm ihre Jacke und ging. Sie sperrte die Tre zweimal zu, sicher war sicher. Zwar hatte sie keine Reichtmer, und die paar Kleinigkeiten, die sie noch hatte waren einen Einbruch nicht wert, aber trotzdem. Immer wieder sah sie sich um, als sie durchs Treppenhaus ging, ihr war es einfach hier nicht geheuer. Schnell schlpfte sie durch die Tre, und war irgendwie erleichtert an der frischen Luft zu sein. Ein Blick in den Himmel sagte ihr, es wrde heute keine Sonne durchkommen, Ina seufzte. Schnellen Schrittes durchquerte sie die Strasse, verschwendete keinen Blick an die Obdachlosen, die schon wieder auf ihren Bnken saen und tranken. Ina ekelte das alles an.

Endlich kam sie in die Nhe des Parks, hier wurde auch die Gegend schner, keine Hochhuser sondern Doppelhaushlften, schne Grten und saubere Strassen und Gehwege. Ina ging langsamer und genoss die Umgebung und das viele Grn. Dabei berlegte sie, was sie tun sollte den ganzen Tag. „Ich werde einfach mal etwas spazieren gehen, einkaufen eilt ja nicht es ist ja noch frh am Tag“ sagte sie zu sich selber. Ina schlenderte weiter, betrachtete erfreut die Umgebung und merkte, wie sich ihre Stimmung immer mehr verbesserte. Nach einiger Zeit, Ina hatte nicht darauf geachtet wo sie hinlief, stand sie vor einem Wald. Sie war so in Gedanken gewesen, das sie nicht geachtet hatte, wo sie hinlief. Sie wollte schon umkehren, als sie ein kleines Haus entdeckte, das hinter Bumen versteckt war. „Das seh ich mir noch an, und dann kehre ich um“ nahm sie sich vor. Langsam aber zielstrebig ging sie auf das Haus zu, das sich beim nher kommen als kleines Gartenhuschen entpuppte. Gut, es war nicht gerade das Schnste, an einigen Stellen war was zu machen und der Zaun hatte auch schon bessere Tage gesehen. An manchen Stellen waren Lcher oder die Bretter waren so morsch, das sie abgebrochen waren. Neugierig ging Ina um das Haus herum. Auch die Bsche und Strucher waren sehr verwildert. Es sah so aus, als wenn es leer stehen wrde. Sie ging langsam an ein Fenster heran um durchzusehen. Als sie mit der Hand die Scheibe abwischte und durchsah bemerkte sie einen Schatten in der Wohnung, etwas bewegte sich .

 Ina erschrak.

 Fr eine Maus war es zu gro, dachte sie bei sich und ging zur Tre um nachzusehen. Vielleicht war da jemand und brauchte ihre Hilfe. Sie klopfte an der Tre, nichts tat sich nur ein Gerusch, das sie nicht einordnen konnte war zu hren. Ina nahm all ihren Mut zusammen und ffnete die Tre. „Hallo? Hallo, ist da jemand?“ rief Ina durch den Spalt, den sie die Tre geffnet hatte. Wieder hrte sie das Gerusch, es klang wie ein scharren, oder ein brummen...oder doch wie ein klopfen, Sie wusste es nicht.

 Obwohl sie Angst hatte, ffnete sie die Tre ganz.

Ina rief nochmals: „Hallo?“ doch nichts tat sich, nur dieses Gerusch war auf ihre Worte zu hren. Langsam stie sie die Tre ganz auf, etwas Licht fiel in das Haus und sie konnte ein Bett, einen Tisch mit 2 Sthlen und eine kleine Kche erkennen. Alles sah verwahrlost aus. Vorsichtig betrat sie das Huschen und sah sich neugierig um. Da es zu finster war, um genau was zu erkennen knnen, zog sie die Vorhnge vorsichtig auf. Die Fenster waren mit Spinnweben verreckt und die Scheiben hatte sicher schon lange niemand mehr geputzt. Gelftet worden war hier sicher auch schon seit einer Ewigkeit nicht mehr, Ina stie das Fenster auf, sofort  wurde das Huschen von frischer Luft durchzogen. Sie verlor ihre Scheu und machte sich daran, das Innere des Hauses zu erkunden. Irgendwie sah es bewohnt aus, aber der Staub und die abgestandene Luft...Ina wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie ffnete erstmal alle Fenster um mehr Licht zu haben. „So, nur noch eins“ murmelte sie und ging in das hinterste, noch etwas dunkle Eck des Hauses. Doch jh blieb sie stehen, da war dieses Gerusch wieder. Vorsichtig bewegte sie sich weiter in die Richtung, allerdings bemhte sie sich darum jedes Detail genau zu beobachten, und nichts aus den Augen zu lassen. Als sie fast am Fenster angekommen war, streckte sie sich und stie die Scheiben auf, sofort wurde es auch in diesem Eck hell. Neugierig sah sie sich um und machte eine Entdeckung: da war etwas Lebendiges, ein Tier...etwa kniehoch und wuschelig. Ina wusste nicht, was sie tun sollte. So ging sie erstmal zurck an das andere Ende des Huschens und setzte sich auf den Stuhl. berlegungen schossen ihr durch den Kopf, aber irgendwie war nicht das richtige dabei. „Erstmal wird ich hier etwas Ordnung machen“  nahm sie sich vor.

Sie suchte sich einen Besen und begann im Haus zu kehren, immer mit Blick auf die Ecke. Nach dem kehren suchte sie sich einen Lappen und machte sich ans Fenster putzen und abwischen der Mbel. Langsam aber sicher kam sie der geheimnisvollen Ecke immer nher. Sie versuchte jedoch, sich ihre Unsicherheit nicht anmerken zu lassen und summte leise vor sich hin. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie neugierige Ohren, die in ihre Richtung aufgestellt wurden und eine neugierige Nase, die ab und an zu schnuppern begann. Ina schmunzelte und machte frhlich weiter. Zum Schluss entdeckte sie noch einen Eimer, sie holte Wasser und begann den Boden zu wischen. Hm, nun war sie fertig, aber das kleine wuschelige Ding wollte einfach nicht rauskommen und sich zeigen. Da war guter Rat teuer. Nachdem Ina nun berzeugt davon war, das dieses Haus unbewohnt war, ffnete sie nun auch die Schrnke in der kleinen Kche. Ein paar Tassen und Teller kamen zum Vorschein, auch ein Topf und eine Pfanne. In dem Unterschrank entdeckte sie eine Dose mit Hundefutter und einen alten, verklebten Napf. Schnell begann sie, diesen zu subern und das Futter hinein zu fllen. Es war also ein Hund, der da in der Ecke sa....nur, wie lange mochte er schon alleine sein? War er ausgesetzt worden? Vergessen worden? War er fortgelaufen und hatte sich hier verirrt? Fragen ber Fragen schossen Ina durch den Kopf. Wie groe er wohl sein wrde, ob er bse und angriffslustig war?

Egal, erstmal wurde der Napf auf den Boden gestellt und der Geruch des Futters verbreitete sich im Huschen. Ina schob ihn langsam in Richtung des Hundes, aber nicht zu nahe, schlielich wollte sie ja, das er aus der Ecke hervor kam. Scheinbar uninteressiert setzte sie sich an den kleinen Tisch und schaute angestrengt in eine andere Richtung....ein Lcheln schlich sich auf ihr Gesicht, als sie aus den Augenwinkeln sah, das der Futtertrick funktionierte. Langsam und vorsichtig, nach allen Seiten schnuppernd kam das kleine, wuschelige Etwas aus der Ecke. Inas Gedanken berschlugen sich.

Sie sah, das der Hund erstmal Pflege brauchen wrde, also baden, kmmen und vor allem einiges an Futter. Er war nur noch Haut und Knochen. Aber wie sollte sie das tun? Mit ihrem letztem Geld musste sie ja noch die 5 Tage berbrcken, und es war nur noch diese einzige Dose an Futter in diesem Haus gewesen. Sollte sie das Tierheim verstndigen? Die wrden sich sicher drum kmmern, aber der Hund sah schon lter aus, ob er nicht sein leben im Tierheim verbringen msste. Ina wusste auch, das Tiere, die kein Zuhause fanden, eingeschlfert wurden. Und das wusste sie jetzt schon, das wollte sie auf keinem Fall. Dieses schne Gesichtchen, mit den weien Kippohren und der spitzen Schnauze war allerliebst und hatte sich gleich in ihr Herz geschlichen. Sie bewegte sich vorsichtig, um den Hund besser betrachten zu knnen...aber sofort verschwand das Tier wieder in seiner Ecke.

Gut, so wrde das nichts werden. Ina stand auf, sie hatte einen Entschluss gefasst. Die Fenster wurden sorgfltig verschlossen, die Tre zog sie hinter sich ins Schloss. Sie prfte noch mal, ob diese nicht aufspringen wrde, dann ging sie schnellen Schrittes in Richtung Stadt. Im Supermarkt angekommen wurde erstmal durchgerechnet, was sie von dem Geld alles besorgen konnte. Nach und nach fllte sich der Einkaufswagen mit Futter, Tierbrste, eine Packung Leckerlies, einem Halsband, einer Leine und etwas Brot und Marmelade fr sich. Kurz vor der Kasse nahm sie noch ein Pckchen Tee mit, den konnte sie ja auch kalt trinken. Als sie alles aufs Band schlichtete, rechnete sie in Gedanken noch mal die Preise nach, ja, es musste reichen...es musste einfach. Gespannt blickte sie auf die Verkuferin. „27,45 bitte“, Ina fiel ein Stein vom Herzen und strahlend gab sie der Verkuferin die gewnschte Summe.

Vollbepackt wie sie war, lief sie nach Hause, sie hatte eine Entscheidung getroffen. Sie wrdigte der bedrckenden Umgebung ihrer Wohnung keines Blickes, lief rasch die Treppen nach oben, packte Waschsachen, Kleidung, Anlage, CDs und noch den restlichen Kaffee ein, zog die Tre hinter sich ins Schloss . Vor lauter Eifer verga sie sogar das zuschlieen, als sie es unten im Treppenhaus bemerkte war es ihr eigentlich egal, sie wollte nur noch weg hier.

Sie merkte nicht, das sie Obdachlosen sie mit verstndnislosen Blicken ansahen, sie bemerkte auch nicht die Scherben und die dreckigen Strassen, sie war mit ihren Gedanken schon bei dem Hund. Eilig lief sie den Weg zum Wald hinauf, was mit den Sachen unter dem Arm nicht gerade einfach war. Endlich war sie da.

Sie stellte die Tten ab und ffnete langsam die Tre um den Kleinen nicht zu erschrecken. Dann trug sie wie selbstverstndlich die gekauften Sachen hinein, eins nach dem anderen. Nun begann sie langsam die Lebensmittel einzurumen, sie bemhte sich, nicht hektisch zu wirken und den Hund nicht zu verschrecken. Immer wieder blickte sie aus den Augenwinkeln in die Ecke und sie war sehr erfreut, als sie feststellte, ihre Bewegungen wurden interessiert verfolgt. Wie gerne wre sie zu dem Kleinen gegangen, htte ihn gestreichelt und gedrckt...sie musste sich schon  sehr zusammen reien.

Als alle Sachen untergebracht waren, steckte sie die Anlage ein, und drehte sie leise auf. Voll Sorge beobachtet sie den Hund, ob er sich wohl wieder verkriechen wrde? Nein, er lag auf dem Boden, neben dem leeren Napf und verfolgte alles ganz genau. Nun musste sie sich aber Ablenkung beschaffen. Als erstes fllte sie den neuen Napf mit frischem Wasser und stellte ihn etwas mehr in die Mitte des Zimmers, dann verlie sie den Raum und machte sich in dem kleinem Garten zu schaffen. Ina wollte versuchen, so gut es ging, die Lcher im Zaun zu reparieren. Mit dem Hammer und den Ngeln die sie gefunden hatte, machte sie sich ans Werk.

Mit Feuereifer war sie bei der Sache, ihr wurde warm .Sie zog ihre Jacke nur aus und warf sie in Richtung der Tre. Als sie fast fertig war, bemerkte sie, das es finster wurde. „Diese 2 Lcher mach ich auch noch schnell“ sagte sie zu sich selber, „dann kann er raus und nicht davon laufen“. Hastig suchte sie noch aus dem Holzstapel hinter dem Haus 4 Latten und nagelte diese an den Zaun. Ina trat zurck und betrachtete ihr Werk. Es sah nicht wirklich provessionell aus, aber den Zweck erfllte es allemal. Stolz lag auf Inas Gesicht, endlich sprte sie nicht mehr dieses Gefhl der Leere und Unzufriedenheit in sich. Sie hob Hammer und Ngel auf, drehte sich um und ging Richtung Tre. berrascht sah sie, das der Hund sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Er lag wie selbstverstndlich auf ihrer Jacke und verfolgte jeden Schritt den sie machte. Ina berlegte, was sie tun sollte, dann beschloss sie, keine Rcksicht zu nehmen und ohne zu zgern ins Haus zu gehen. Wie vorhergesehen lief der Hund wider in seine Ecke, aber nicht so weit wie vorher. Ina begab sich in das kleine Bad und wusch sich ab.

Ach, es wre zu herrlich, wenn sie fr immer hier bleiben knnte. Sie beschloss, die nchsten Tage Nachforschungen anzustellen, um herauszufinden, wer der Besitzer dieses Hauses war. Hungrig trat sie zurck in das Zimmer und sah berrascht, das der Hund sich noch weiter in die Mitte des Raumes getraut hatte. Sie betrachtete ihn, er war wei -schwarz gefleckt, ungefhr kniehoch und hatte mittellanges Fell, das allerdings sehr verwahrlost aussah und durch das man auch die Knochen sehen konnte. Er sah sie direkt an, und sie bemerkte seine wunderschnen, bernsteinfarbenen Augen. Nein, sie wrde den Hund nicht ins Tierheim geben, niemals. In dem Blick des Hundes lag Angst, aber auch Neugier und irgendwas, was sie bis ins Herz traf.

 Ina hatte auf einmal einen Klo im Hals. Es war ein unerklrlicher Blick, der ihr sehr nahe ging. Sie hob den Napf vom Boden auf, wusch ihn aus und fllte ihn neu. Dann stellte sie ihn auf den Platz, den sie sich als Futterstelle ausgesucht hatte. Schnell holte sie den Wassernapf und stellte ihn daneben. Sie war gespannt, ob der Hund auch dort fressen wrde. Um sich abzulenken begann sie, sich einen Tee zu machen und ein Brot zu streichen. Dann setzte sie sich an den Tisch, den sie vorher ans Fenster gerckt hatte. Langsam a sie ihr Brot und genoss dabei den Blick ins Grne. Etwas Angst hatte sie schon vor der Nacht, so alleine in einem fremden Haus mitten im Wald. Sie war ganz in ihren Gedanken versunken, so das sie gar nicht bemerkte, wie der kleine Hund sich langsam seinen Npfen nherte. berrascht sah sie auf, als sie die Gerusche bemerkte, die er beim fressen von sich gab. Ein Lcheln glitt ber ihr Gesicht.

Sie stand auf um den Tisch abzurumen, Faith, so hatte sie den Hund getauft sah sie nur kurz an, lie sich aber nicht weiter beim fressen stren. Ina nahm ihre Tasse Tee und ging in den Garten. Sie holte sich die kleine, schon fast kaputte Bank und schob sie neben die Tre. Dann setzte sie sich hin und lie die ruhige Umgebung auf sich wirken. Durch die ungewohnte Arbeit und der Ruhe schlief Ina ein. Sie hatte den Kopf an die Hausmauer gelehnt, die Tasse stand auf der Bank.  Nach einer ganzen Weile wurde Ina geweckt, jemand schttelte sie am Fu. Blinzelnd bemhte sie sich, wach zu werden und blickte in die Dunkelheit. Faith stand nahe an ihrem Fu und stuppste sie mit der Schnauze an. Ina musste lachen „ja, ok .ich komm ja schon rein“ sagte sie beruhigend zu ihm. Irgendwie war es in dem Augenblick fr Beide eine selbstverstndliche Situation. Ina registrierte dies auch erst, als sie auf dem hartem, schmalen Bett lag und kurz vor dem Einschlafen war.

Am nchsten Morgen sah sie beim aufwachen in neugierige, erwartungsvolle Hundeaugen. Faith sa vor ihrem Bett und wartete schon auf sein Futter. Ina setzte sich langsam auf, um ihn nicht zu erschrecken. Vorsichtig streckte sie die Hand in Richtung seines Kopfes und streichelte schnell darber. Dann stand sie schnell auf um das Futter zu zubereiten und kaffe hinzustellen. Whrend Faith fra, ging sie sich waschen und umziehen. Das hatte sie gestern vor lauter Mdigkeit nicht mehr geschafft.

Ina hatte sich heute vorgenommen Faith zu kmmen, sie war schon gespannt, wie das funktionieren wrde. Nach dem Frhstck ging sie zu Faith in den Garten. Er hatte sich neugierig umgesehen und lag in der Morgensonne unter einem kleinen Apfelbaum. Mit Leckerlies in der Hand kniete sie sich vor ihn hin. Faith kam langsam schnuppernd auf sie zu, und fra ein Leckerlie aus der Hand. Ina strahlte, das htte sie sich gestern noch nicht trumen lassen. Erwartungsvoll blickte Faith sie an, sie strich ihm leicht bers Fell, dafr gab es wieder ein Leckerlie. Langsam entspannte sich die Situation, Faith legte sich zu ihren Fen ins Gras. Ina nahm die Brste und begann ganz vorsichtig ber das Fell zu kmmen. Zu ihrem Erstaunen schien dem Hund das zu gefallen. So verbrachten sie fast ber eine Stunde im Garten. Als er durchgekmmt war, wurde er natrlich mit viel Leckerchen und Lob belohnt.

Ina berlegte kurz, ging dann ins Haus und kam mit dem Halsband zurck. Wrde Faith es sich gefallen lassen? Neugierige Hundeaugen blickten zu Ina auf, als sie sich vor ihm hinkniete. Etwas zittrige Hnde hatte sie schon, aber sie sprach mit ruhiger Stimme auf Faith ein. Er lie es sich gefallen und nachdem das Halsband zugemacht war, lief er stolz durch den Garten. Ina musste lachen.

Dann ging sie nach innen, um das Haus aufzurumen. Sie stellte die wenigen Mbel um und in Gedanken berlegte sie, wie sie den Besitzer des Hauses finden knnte. Etwas Angst hatte sie aber schon davor, was wrde sie machen, wenn er das Haus nicht hergeben wollte? Um sich abzulenken ging Ina in den Garten, denn da war noch viel zu tun. Sie zupfte das Unkraut aus den Blumen, schlichtete kaputte ste auf einen Haufen und verstrkte die Bank.

In einem Schrank hatte sie noch etwas blaue und weie Farbe und einen Pinsel gefunden, und begann nun, die Fensterlden und den Trrahmen in dem Blau zu streichen. Faith lag in einiger Entfernung und sah ihr zu. „Na, was meinst du, malen wir die Bank auch blau an?“ Ina kam es vor, als wenn Faith nicken wrde, und so begann sie auch die Bank zu streichen. Als die blaue Farbe verbraucht war, nahm sie Wei und strich die Fensterrahmen und die Tr.

Mittlerweile war es schon Abend geworden und Ina bemerkte, wie sich ein Hungergefhl breit machte. „Du hast sicher auch Hunger, oder? Also komm Faith“, sie klopfte mit der rechten Hand an den Oberschenkel, Faith stand auf und ging mit ihr ins Haus.

Als Beide gesttigt waren ruhten sie sich noch etwas im Garten aus, besser gesagt, Ina ruhte sich aus, mit einer Decke im Gras liegend denn die Bank war ja noch nicht trocken, und Faith sprang im Garten herum. Als auch er mde war, kam er langsam auf Ina zu und legte sich zu ihr auf die Decke. Ina drehte sich auf den Rcken und schaut in den Himmel, wie sollte sie nur den Besitzer dieses Hauses finden, und wie knnte sie das Haus nur behalten.

Da fiel ihr Bell ein, und Bells Vater...die wrden ihr sicher helfen. Nur, dann msste sie alles erzhlen, das sie die Arbeit verloren hatte, das das Geld nie reichte, einfach alles. Ina war das peinlich. „Was soll ich tun?“ fragte sie Faith. Dieser sah sie mit seinen bernsteinfarbenen Augen vertrauensvoll an. Ina musste schlucken, hoffentlich wrde alles gut werden.

Am nchsten Tag verlie Ina das Huschen ganz frh am Morgen. Faith sah ihr am Fenster nach, wie sie festen Schrittes den Weg hinab zur Stadt ging. Da Ina das ganze Geld ja fr die Einkufe gebraucht hatte, musste sie die Stadt zu Fu durchqueren.

Sie blickte in den Himmel, er war strahlendblau, wie wenn er ihr Mut machen wollte. Ina seufzte kurz, bevor sie die Tre der Kanzlei ffnete. Bell sa da, wie immer perfekt gestylt und mit einer Tasse Kaffe in der Hand.

„Mensch Ina, wo warst du denn? Du hast dich nicht gemeldet, was ist denn los? Komm, erzhl schon“ sprudelte Bell los und nahm Ina in den Arm. „Du hast abgenommen“, fragend sah Bell Ina an. Diese konnte nur nicken. „Du Bell, hat dein Vater kurz Zeit fr mich? Es wre wichtig“ fragte Ina stockend. Bell sah sie berrascht an: „Ja du hast Glck, es hat gerade ein Mandant abgesagt, komm mit“ und schon fhrte sie Ina in das Bro ihres Vaters.

Nach einer kurzen Begrung wollte Bell das Zimmer verlassen, doch Ina bat sie dem Gesprch bei zuwohnen. Sie holte tief Luft und begann von ihren letzten Monaten zu erzhlen. Von den Spekulationen des Chefs, dem Verlust von Arbeit und Wohnung, von der Geldknappheit und dem Huschen, das sie durch Zufall gefunden hatte. Es war wie eine Befreiung fr sie, sie erzhlte von ihren ngsten und Nten und von ihrem Wunsch nach Arbeit und das Huschen behalten zu knnen. Bell und ihrem Vater war der Schreck deutlich in den Gesichtern anzusehen. Schlielich hielt die Freundin nichts mehr auf dem Stuhl, sie sprang auf, nahm Ina in den Arm und drckte sie. „Warum hast du nichts gesagt, keinen Ton?“ Bell war fassungslos und ihr standen Trnen in den Augen. Ihr Vater rusperte sich, blickte Ina an und sagte:“ Wo genau ist denn dieses Huschen?“

Ina beschrieb es ihm so genau sie konnte, dabei bemerkte sie, wie ein Lcheln ber das Gesicht von Bells Vater glitt. Unsicher sah sie ihn an. „Also, das ist so“ Bells Vater holte Luft „ dieses Huschen, das du mir da beschreibst, gehrte Bells Uroma. Ich wollte es schon seit langem verkaufen, da es fr mich zwar von Erinnerungswert ist, aber ich leider keine Zeit habe, mich darum zu kmmern. Dieser Herr, der heute kommen wollte, also der den Termin vorhin aus Zeitgrnden abgesagt hat, will dieses Haus kaufen“ ber Inas Gesicht legte sich ein Schatten, das Huschen...das war fr sie verloren. Es stand zum verkauf, niemals knnte sie sich das leisten. Sie musste schlucken, um die Trnen aus den Augen zu verdrngen.

Wohin nur mit Faith, doch ins Tierheim? In dieser Umgebung wo sie wohnte, das war nichts fr den Hund. Die Trnen wollten sich nicht verdrngen lassen, Ina schluckte erneut.

Traurig sah sie Bells Vater an, doch der nickte ihr nur lchelnd zu. „Da ich das Haus eh noch nicht verkauft habe, und es ja schon seit Jahren leer steht kommt es mir nicht darauf an, wie lange es noch dauert, bis es verkauft wird. Und vor allem, etwas an Erinnerungen steckt ja in dem Huschen.“ Er blickte etwas wehmtig, „denn dort bin ich aufgewachsen, bei meiner Gromutter“ Ina sah ihn durch den Trnenschleier an, und verstand nicht, was er ihr damit sagen wollte. „Kurz und gut, ich mchte, das du dort wohnen bleibst. Du bekommst von mir die Mittel um es wieder zu renovieren, ich werde dir jede Hilfe zu teil werden lassen“

Ina wurde ganz blas im Gesicht, hatte sie das richtig verstanden? Alles um sie herum begann sich zu drehen. Es war wohl etwas viel gewesen die letzten Tage. Bells Vater eilte zu Ina und fhrte sie auf die kleine Couch, die im Zimmer stand. Bell lief schnell hinaus und besorgte ein Glas mit kaltem Wasser, das sie Ina zum trinken reichte.

„Aber, aber ich kann doch keine Miete zahlen, ich hab doch nicht soviel...und auch keine Arbeit“ Ina stotterte das alles nur.

Bells Vater sprach beruhigend auf sie ein. Er erklrte ihr, das seine Gromutter damals immer ein Tierheim fr verlassene Tiere daraus machen wollte, weil der ganze Wald ja noch dazu gehren wrde. Aber sie war zu krank um das zu verwirklichen zu knnen. Sie hatte damals, kurz vor ihrem Tode noch erzhlt, das sie ein Sparbuch extra zu diesem Zweck angelegt htte, und im Laufe der zeit einiges zusammen gekommen sei. Sie wollte immer, das das doch verwirklicht werden wrde. „Nur Bell“, sagte er „hatte nie diesen Hang zu den Tieren und der Natur. Ich htte das Geld dem Tierschutz gespendet, auch das Geld aus dem Verkauf dieses Hauses.“ Langsam fasste sich Ina:“ Und das bedeutet jetzt?“ Bells Vater sah sie an: „Ich sehe jetzt eine Mglichkeit, den Wunsch meiner Gromutter doch noch zu erfllen. Ich mchte, das du, natrlich nur wenn du willst, dieses Huschen bernimmst. Wir werden es gemeinsam renovieren. Ich werde Termine und Firmen engagieren und du wirst das alles vor Ort berwachen. Es werden Unterknfte fr Tiere gebaut werden, das Gelnde wird eingezunt werden und der Garten wird tiergerecht angelegt werden. Bist du damit einverstanden?“

„Und ich werde mich um den ganzen Schreibkram kmmern“ fgte Bell hinzu. Ina sah von einem zum anderem, dann sprang sie hoch und umarmte Beide. „Aber klar will ich. Vielen, vielen dank“ Bells Vater schttelte den Kopf: „ich habe zu danken, so wird der Wunsch meiner Gromutter doch noch wahr“

„Wir brauchen noch einen Namen fr das Haus“ , meinte Bell. Ina musste nicht lange berlegen: „ Es wird „keep the Faith“ heissen“

 

 

 

 

                            ENDE

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                                                               Xena

 

 

Xena sass an ihrem Schreibtisch und starrte ins Leere. Alles Mglich ging ihr durch den Kopf. Zwischendurch lauschte sie in Richtung des Kinderzimmers, ob auch alles ruhig war. Nichts zu hren. Beruhigt schloss sie die Augen und hing ihren Gedanken weiter nach. Es waren keine schnen Gedanken, dass zeichnete sich in ihrer Mimik ab, sie plagten Zukunftsngste, und auch die Vergangenheit liess sie nicht los.Xena seufzte, und eine Trne lief ihr die Wange hinab! Sie wollte sie gerade gedankenverloren weg wischen, als sie das Klingeln des Telefons zusammenzucken liess. Schnell nahm sie den Hrer ab, und meldete sich mit belegter Stimme: „hallo?“

Am anderen Ende erklang die Stimme ihrer Freundin Bea, die sofort merkte, dass etwas nicht in Ordnung war! „soll ich vorbei kommen?“, war Bea`s einzige Frage. Xena nickte, da fiel ihr ein, das konnte die Freundin ja nicht sehen. ber sich selbst schmunzelnd  kam ein leises „Ja“ ber ihre Lippen. Schon allein der Gedanke, ihre Freundin jetzt gleich um sich zu haben, machte die ganze Situation etwas leichter. „Bis gleich“, war alles, was ihre Freundin noch sagte, dann wurde schon der Hrer aufgelegt. Xena stand langsam auf und machte sich daran, eine Kanne Kaffee zu kochen, denn die wrden sie brauchen! Gerade als sie 2 Tassen aus dem Schrank holte, klopfte es rhythmisch an die Tr. Als sie diese ffnete, nahm sie ihre Freundin gleich in die Arme:“ Was war denn schon wieder los?“ fragte sie. „ist er auch da?“

Xena schttelte den Kopf und zeigte nur auf den kaputten Wohnzimmertisch, die zerschlagenen Lampen und die durchgetretene Tr. Bea schttelte den Kopf und sah sie prfend an:“alles in Ordnung mit dir?“ wollte sie wissen. Sie nickte leicht, konnte aber nicht verhindern, dass ihr wieder die Trnen in die Augen stiegen. Xena schluckte schwer. Ihre Freundin nahm ihr die Tassen ab, stellte den Kaffee, Zucker und Milch auf den Boden neben die Couch, dann zog sie Xena zu sich heran:“ Das wird schon wieder“ und nahm sie trstend in die Arme. Bea hielt sie fest, und wartete darauf, dass sie selber zu erzhlen anfing. „ Ich hab ihm gesagt, es sei vorbei“ kam es leise von Xena. Ihre Freundin konnte es nicht glauben, Erstaunen stand in ihren Augen. „Du hast es echt geschafft?“ fragte sie unglubig. Xena nickte, und liess den Kopf an die Schulter Beas sinken. Da sah diese, das ihr Hals rot vor Striemen war. Unbeobachtet musterte sie Xena, um festzustellen, ob ihr sonst noch etwas fehlte. Zum Glck konnte sie nichts weiter bemerken. Sie liess ihre Augen ber das Chaos streifen und fragte nach Alice, Xenas 3 jhriger Tochter. „Sie schlft“ beantwortete Xena die Frage“ Zum Glck, sie hatte furchtbare Angst. Es dauerte ewig, bis ich sie beruhigt hatte“

Bea nickte, das konnte sie sich vorstellen. „Und du hast ihm echt klar gemacht, dass euere Zeit vorbei ist“ wollte Bea wissen. Xena nickte“ Sieh dir doch das alles an hier, er ist regelrecht ausgeflippt“ Die Freundin wollte wissen, wie sie denn jetzt, nach ber 3 Jahren, endlich den Mut gefunden hatte, diese Beziehung zu beenden.

Xena holte tief Luft“ Es war wie immer, er wollte Sex, aber schon, als er anfing mich zu berheren, hab ich es nicht ausgehalten. Seine Hnde, seine fordernden Lippen“ sie schauderte. „und als ich nein sagte, drehte er vollkommen durch. Er schrie mich an, verpasste mir eine Ohrfeige. Schliesslich sei er mein Mann, und er htte ein Recht darauf. Dann fingen wieder die Unterstellungen an, ich htte ein Verhltnis und wrde ihn nur betrgen...“ Sie konnte nicht mehr sprechen, die Trnen rollen nur noch. Bea nahm sie fester in die Arme. „...und als Alicia aufwachte und nach mir rief, ging er ins Kinderzimmer und schrie auch sie an. Da bin ich ihm nachgelaufen, weil ich ja so eine Angst um die Kleine hatte, hab ihm am Arm gezogen, ihn angeschrieen und gesagt, er muss ausziehen“ Bea richtete sich auf, sie wusste instinktiv, dass das nicht alles gewesen sein konnte. Da sprach Xena schon weiter“ er hat mich ins Schlafzimmer gezerrt, mich aufs Bett geworfen, mit einer Hand die Arme festgehalten, ein Kissen aufs Gesicht gedrckt und..und dann hat er mich...“ Sie konnte nicht mehr weitersprechen, ein Weinkrampf schttelte Xenas Krper. Bea war fassungslos, sie hatte schon immer mitbekommen, dass es in der Beziehung nicht harmonisch lief, dass Xenas Mann Wutanflle hatte, die man an Xenas blauen Flecken oft sehen konnte, aber das war doch etwas zu viel! „ Wirst du ihn anzeigen?“ fragte sie, dabei beruhigend Xenas Rcken streichelnd. Xena schttelte den Kopf:“ Ich bin froh, dass er weg ist“. Sie richtete sich auf und wischte sich die Trnen vom Gesicht. „ Nur habe ich noch ein Problem, er hat noch den Schlssel von der Wohnung“

Bea sprang auf:“ Hier kannst du nicht bleiben, du musst weg!“ Xena nickte, „ich weiss, aber wohin?“ Bei dem Gedanken daran, er knnte ihr auch nur noch einmal ber den Weg laufen, liefen ihr eiskalte Schauer ber den Rcken, er war zu allem fhig. Sie wusste auch, er wrde ihre Tochter einfach mitnehmen, und das musste sie verhindern.

Hilfesuchend blickte sie ihre Freundin an, sie konnte in ihrem Gesicht lesen, wie sie berlegte. Da griff Bea zum Telefon, whlte und ging im Wohnzimmer auf und ab.

Xena hatte sich in der Zeit im Sessel zurckgelehnt, die Gedanken rasten nur so in Ihrem Kopf! Was sollte sie tun? Den Schlsseldienst rufen? Gedankenverloren griff sie zur Kaffeetasse und erschrak fast, als Bea sie ansprach: „ Ich hab was fr Euch, schnell pack deine Sachen zusammen!“ Verwundert schaute sie ihre Freundin an :“wir sollen weg?“ Bea Nickte, „ich weiss auch schon wohin, komm beeil dich!“

Xena berlegte nicht lange, sie sprang aus dem Sessel und holte eilig alle Sachen, die sie so brauchten.

Dann weckte sie Alice, zog ihr eine Jacke an und nahm sie auf den Arm. Bea hatte schon die Taschen in der Hand. Xena drehte sich nochmals um und sah sich das Chaos an, ein Seufzer kam ber ihre Lippen! Bea sah sie energisch an :“Komm jetzt, euer neues Leben hat soeben begonnen“ Sie hat recht, dachte Xena und schmiss die Tr ins Schloss! Es kann nur besser werden....

Sie verstauten die Sachen im Auto, setzten Alice in den Kindersitz  und Xena sank erschpft auf den Beifahrersitz. „Wohin fhrst du uns?“ Bea  sah die Freundin an und lchelte:“ das ist eine berraschung, mach die Augen zu, schlaf ein bisschen. Wir werden sicher ein paar Stunden unterwegs sein!“ Xena nickte nur, und schloss die Augen.

Als sie die Augen wieder ffnete, merkte sie, dass sich die Landschaft verndert hatte, auch die Temperatur war gestiegen. Sie blickte zur Uhr und war erstaunt, es waren 5 Stunden vergangen. Sie warf einen Blick zu Bea, die Freundin summte frhlich vor sich hin :“Na du Schlafmtze, geht’s dir besser?“ Xena nickte :“wo sind wir denn?“ „In Italien, in Rom. Gleich wirst du dein neues Zuhause fr die nchsten Wochen sehen.“

Sie drehte sich zu ihrer Kleinen um, diese schlief noch immer und lchelte im Traum. Neugierig sah Xena sich um, als sie in ein kleines Dorf fuhren. Bea lenkte den Wagen durch einen kleinen Wald, dann sah sie schon eine Toreinfahrt. Das Tor war verschlossen, Die Freundin kurbelte das Fenster herunter und steckte eine Chip Karte in den Pfosten am Tor. Automatisch ffnete sich dieses, Bea fuhr hinein und das Tor schloss sich. Erstaunt schaute Xena sich um: ein herrlicher Park mit Bumen, Blumen und Pool ! Sie konnte es nicht fassen! Sprachlos blickte sie ihre Freundin an, diese lachte laut:“ was schaust du denn so?“ Sie stotterte:“ Was, wie, woher....“

Nun lachte Bea noch lauter: “Dieses Anwesen gehrt einem Bekannten von meinem Freund, dieser Bekannte ist sehr selten da. Die nchsten Wochen berhaupt nicht, also kannst du dich hier ganz sicher fhlen, ohne diese Karte kommt man am Tor gar nicht hinein!“ Mit diesen Worten legte sie Xena die Karte in die Hand. Diese sah sich noch immer sprachlos um. Bea parkte den Wagen am Haus, zog die Handbremse an, drehte sich zu ihrer Freundin und sah ihr in die Augen: „ Erhole dich gut, geniesse die Zeit. Es ist fr alles gesorgt, du musst nicht mal einkaufen gehen, die Speisekammer ist voll! Das langt fr 4 Wochen locker!“

Ehe Xena noch was sagen konnte machte sich hinten Alice bemerkbar und Bea hatte die Autotre schon geffnet. Sie ging nach hinten und ffnete den Kofferraum. Xena tat es ihrer Freundin gleich, stieg aus und schnallte die Kleine ab. Alice sah sich neugierig um und begann sogleich die neue Umgebung zu erkunden, sie lief auf einen Springbrunnen zu und tauchte die Hndchen ins Wasser. Es dauerte keine 2 Minuten, dann war der Garten von Kinderlachen erfllt. Ein Lcheln erschien auf Xenas Gesicht, da bemerkte sie, dass die Freundin sie genau beobachtet hatte und auch lchelte. Sie ging auf Bea zu, umarmte diese und sagte:“ So, nun wollen wir mal sehen, ob es hier auch einen Kaffe gibt“ Sie rief Alice zu sich, dann nahmen sie die gepackten Taschen und machten sich dran, das innere des Hauses zu erkunden!

Sie stiegen die Treppen zum Haus hinauf, vor der groen, weissen Tre war eine Art Veranda, mit gemtlichen Sthlen und einer gemtlichen Hngematte, die von einem Pfosten zum anderen angebracht war. Bea schttelte leicht den Kopf, das war ja schon hier ein Paradies, nun war sie gespannt und ffnete die Tre. Sie standen in einer Art Eingangshalle die sehr gemtlich eingerichtet war, mit Kamin, Ledersessel , Couch und ein groes Bcherregal. Alles war in hellen Farben gehalten und Bea fhlte sich sofort wohl. Neugierig ffnete sie nun eine Tre nach der anderen, es kam eine groe Kche zum Vorschein, ein sehr gemtliches Badezimmer mit einer Glasfront, wo man direkt in den Garten sehen konnte und zwei Schlafzimmer. „Das etwas kleiner werde ich fr Alice nehmen“ sprach Xena und drehte sich mit leuchtenden Augen zu ihrer Freundin um. Diese hatte sie die ganze Zeit schweigend beobachtet und war sehr froh, nun zu sehen, dass mit jeder Sekunde Xenas Gesicht sichtlich entspannter wurde! Nachdem alle Koffer und Taschen verstaut waren, Alices Spielzeug ausgepackt und diese beschftigt war, setzten sich die Freundinnen auf die Veranda, um einen Kaffee zu geniessen. Xena sah Bea in die Augen: „ Danke, dass Du mir das hier ermglicht hast“. Die Freundin schwieg erst, dann sah sie Xena ernst an: „ Erhol dich gut, geniesse die Zeit, mach dir keine Sorgen sondern lass es dir einfach nur mal gut gehen, das hast du dir verdient“, sie machte eine kleine Pause „....und wer weiss, vielleicht triffst du auch jemanden, der dein Herz erobern wird“ Das Lachen in Beas Augen war leicht zu erkennen. Xena blickte berrascht von ihrer Tasse auf:“ Wieso? In wen denn? Ich bin doch hier alleine, hast du gesagt“ Die Freundin lachte nun herzlich :“ Ja, du bist hier alleine, aber vielleicht gehst du ja auch mal aus. Fr Alicia wre ja in dem Fall das Hausmdchen da, und wer weiss....“ Geheimnisvoll schwieg sie nun, aber der Schalk blitzte ihr nur so aus den Augen. Xena schttelte leicht verwirrt den Kopf, doch jede weitere Frage wurde von der Freundin abgeblockt. Schliesslich erhob sich Bea: „ Ich mach mich nun auf den Heimweg, schlaf gut, denn du weit ja, was man in der ersten Nacht trumt, geht in Erfllung“ Dann umarmten sich die Freundinnen, Bea stieg ins Auto und fuhr winkend davon.

Xena nahm die Tassen und trug sie in die Kche, grbelnd, was Bea wohl mit ihrer Anspielung gemeint hatte, rumte sie den Spler ein. „Ach, mach dir keine Gedanken“ meinte sie zu sich selbst, „hier ist ja keiner, das war sicher nur ein Scherz“, damit ging sie zu ihrer Tochter und sie machten einen Spaziergang durch den herrlich angelegten Garten.

Mde und vom Toben hungrig stberten sie ihm Khlschrank und machten zu zweit ein leckeres Abendessen. Nachdem Alice gebadet war und im Bett lag, zog sich Xena wieder auf die Veranda zurck. „Ach, was konnte das Leben doch schn sein“, dachte sie, und lie ihren Gedanken und Hoffnungen freien Lauf. „Wie schn wre es, immer hier zu sein, nur mit einem netten, sanften Mann an der Seite“....Doch dann schob sie die Gedanken zur Seite, trank ihren Wein aus und machte sich auf den Weg ins Bett. Erstmal war sie froh, dieser Beziehung entronnen zu sein, in der es nicht sanft und harmonisch zugegangen war. Ein neuer Mann wrde es schwer haben, dass wusste Xena. Seufzend viel sie in das Bett und verfiel gleich in einen gesunden, erholsamen Schlaf!

Es war heller Morgen, die Sonne strahlte ins Zimmer und Xena wurde sanft geweckt: „Mami, ich hab Hunger“, mit diesen Worten kroch die Kleine zu ihr ins Bett. Ein Lcheln stahl sich in Xenas Gesicht, sie drckte Alice an sich und gab ihr einen dicken Kuss. „Na, dann wollen wir uns mal anziehen und uns ein Frhstck machen“.

Whrend Alice sich anzog und sich fertig machte, sprang sie selbst schnell unter die Dusche. Was hatte ihre Freundin gesagt? Was man in der ersten Nacht trumt wird sich erfllen? „Das glaubst du wohl selber nicht“ sagte zu sich und hing unter dem warmen Wasser kurz ihren Gedanken nach. Sie hatte von einem zrtlichen Mann getrumt, der ihr die Wnsche von den Augen abgelesen hat, sie verwhnte.... Um diese Gedanken zu vertreiben stellte sie zum Schluss die Dusche kurz auf kalt, drehte das Wasser ab und begann sich anzuziehen. Alice klapperte schon in der Kche mit dem Besteck, sie musste sich beeilen.

Nach einem ausgiebigem Frhstck machten sie sich auf den Weg, das Gelnde ausserhalb des Hauses zu erkunden. Dazu nahmen sie den Jeep, den sie in der Garage entdeckt hatten, und schon fuhren sie am Meer entlang.

Die Tage vergingen wie im Fluge, und als sich ihre Freundin nach 2 Wochen telefonisch meldete, konnte Xena es nicht fassen:“ Was? Schon so lange sind wir hier?!“ Sie plauderten eine ganze Weile und Xena erfuhr, ihr Freund hatte die Wohnung gerumt, den Schlssel in den Postkasten geworfen, sie war ihn endlich los. Als Bea ihr noch erzhlte, er wre in eine andere Stadt gezogen, war Xena richtig befreit! „Ich danke dir, ich kann das gar nicht in Worte fassen“, war alles, was sie dazu sagen konnte, und Trnen der Erleichterung schossen aus ihren Augen. Beschwingt legte sie den Hrer auf, dass muss mit einem Abendessen gefeiert werden, dachte sie.

 Sie nahm ihre Tochter an die Hand, und dann fuhr sie in die nchste Stadt. Dort fanden sie eine kleine Pizzeria, mit Spielplatz fr Alice. Der Kellner war sehr freundlich und bediente sie schnell. Nach dem Essen ging Alice spielen und Xena liess sich ein Glas Wein kommen. In Gedanken versunken sah sie aufs Meer hinaus, endlich war sie frei und musste sich keine Sorgen mehr machen. Sie konnte es noch immer nicht fassen. Aufeinmal schreckte sie auf, neben ihr stand ihre Tochter und hatte einen fremden Mann an der Hand! „Hat sie etwas angestellt?“, waren ihre ersten Worte. Der Mann schttelte beruhigend den Kopf „Nein, wir haben nur etwas zusammen gespielt, und dann wollte sie, dass ich mit zu ihrer Mami komme“, etwas verlegen stand der Fremde nun bei ihr am Tisch. „Setzen sie sich doch und, und trinken sie etwas mit mir“ stotterte Xena etwas unbeholfen, denn die Stimme des Mannes ging ihr durch und durch. Hilfesuchend blickte sie sich nach Alice um, aber die war schon wieder Richtung Spielplatz unterwegs.

Der Fremde setzte sich und nach ein paar Minuten unterhielten sie sich angeregt ber alle mgliche Sachen. Zwischendurch musterte Xena ihn immer wieder. Er war nicht sehr gro, hatte dunkle Haare und sehr nette Augen, in die sie immer wieder blickte.

Die Zeit verging wie im Flug, und  bedauernd meinte Xena , als sie auf die Uhr blickte:“ meine Kleine muss ins Bett“

War da etwas wie Enttuschung im Blick ihres Gegenbers zu sehen? Schnell schttelte sie den Gedanken ab, er konnte ja nicht wissen, dass sie ihn so anziehend fand. Was sollte so ein gutaussehender Mann auch mit Frau, die mit einem Kind gebunden war. Sie erinnerte sich, was ihr  Exfreund immer gesagt hat: mit Kind wirst du keinen anderen finden, wer will sich schon so eine groe Verantwortung antun.

Der Mann sah sie an, und es entging ihm nicht, dass all die Unbekmmertheit verschwunden war. „ Wollen wir sie suchen?“ hrte Xena diese tiefe, faszinierende Stimme fragen.

berrascht blickte sie auf, da waren sie wieder, diese Augen....“ja, das knnen wir....wenn sie wollen...wenn du willst...“ Sie war verwirrt, denn im Laufe des Gesprches waren sie wie von selbst zum Du bergegangen. Eine Hand streckte sich ihr entgegen „Na, dann komm“ wie von selbst legte sich ihre Hand in diese, und sie liess sich leicht hochziehen. Alle Gefhle gingen mit ihr durch, diese Berhrung, diese Nhe....sie schluckte. Auf dem Spielplatz angekommen strmte Alice auf sie zu: „Mama, Mama...“ und schon plapperte sie wie ein Wasserfall. Xena war dankbar, so konnte sie ihre Gefhle etwas ordnen und unter Kontrolle bringen.

Als sie nach oben blickte, traf sie ein amsierter Blick des Fremden....anscheinend wusste er genau, was in ihr vorging! Xena wurde leicht rot, als er ihr in die Augen blickte. Und das Rot verstrkte sich noch, als Alice wie selbstverstndlich den Fremden an der Hand nahm und ihn in Richtung Wagen zog!

Xena nahm ihr Kind leicht zur Seite und wollte etwas sagen, als der Fremde sagte:“ Was haltet ihr davon, wenn ich Euch nach Hause bringe? Nachts sind die Strassen hier nicht ganz ungefhrlich, viel Jugendliche fahren nicht gerade vorsichtig und da kann schnell was passieren“ Alice war sofort begeistert, doch Xena hatte ihre Zweifel: ein Fremder, noch unbekannter Mann, den sie irgendwie faszinierend fand...ob das richtig war?

Was wrde passieren, wenn sie alleine waren, wenn die Kleine im Bett war, wenn er nicht mehr gehen wrde, wenn.....

Der Fremde konnte anscheinend ihre Gedanken lesen, denn er sagte:“ Wenn es dir unangenehm ist, lassen wir es, ich fahre nur vor euch her, bis ihr sicher angekommen seit. Ich will ja nicht, dass euch was passiert“

Sofort schmte sich Xena ihrer schlechten Gedanken, ach, was solls dachte sie und begann ihm zu erklren, wo sie denn wohnten. Schliesslich war sie hier, um auf andere Gedanken zu kommen und sich zu amsieren! Sie stiegen ins Auto und fuhren heim! Dort angekommen, hielt der Fremde auch nur, kurbelte das Fenster runter :“Ich wnsche dir noch einen schnen Abend, und wenn es der Zufall will, sehen wir uns ja wieder, solange du noch da bist“ Xena horchte auf, war da Enttuschung in seiner Stimme? Sie warf alle Bedenken ber Bord und fragte leise : „ Willst du noch ein Glas Wein mit mir trinken? Als Ausklang des schnen Abends?“  Der Fremde sah berrascht zu ihr auf und ein Lcheln trat in seine Augen, leicht nickte er. Xena  brachte schnell Alice ins Bett, die vor lauter Mdigkeit schon im Auto geschlafen hatte, als sie nach unten ging, war sie etwas nervs...was wrde der Abend bringen? Schnell zupfte sie noch ihre Haare zurecht und warf einen Blick in den Spiegel, der im Flur hing. Sie lchelte sich selber zu um die Nervositt etwas zu mindern.

 Unten angekommen liess sie den Blick suchend durch den Raum schweifen, wo war der Fremde nur? Wie einem Zwang folgend ging sie auf die Terrasse, und da stand er, ans Gelnder gelehnt. Sie hatte die Mglichkeit, ihn unbemerkt zu beobachten, denn er schien mit seinen Gedanken weit weg zu sein. Was sah er doch gut aus, er war zwar nicht sonderlich gro, hatte dunkle Haare und eine durchtrainierte Figur. Seine Hnde, mit denen er sich absttzte waren schlank, die Finger lange. Xena wurde rot. Sie sollte aufhren, sich in Gedanken vorzustellen, wie sich diese Hnde wohl anfhlten.

Sie trat hinter den Fremden, atmete einen Augenblick den Duft seines Rasierwassers ein und rusperte sich dann leise. Ohne sich umzublicken drehte sich der Mann halb um, legte den Arm um ihre Schultern und zog sie ans Gelnder. So standen sie ein paar Minuten, jeder sprte die Wrme des anderen. Dann fing er an zu reden: „ Du brauchst keine Angst zu haben, ich wollte nur den Abend langsam ausklingen lassen. Der Tag mit dir war wunderschn, so wohl habe ich mich schon lange nicht mehr gefhlt“ Xena lauschte dem Klang seiner tiefen Stimme, er klang etwas traurig. Im Dunkeln versuchte sie, einen Blick auf sein Gesicht zu werfen. Wie selbstverstndlich legte sie ihren Arm um die Hfte des Fremden und lehnte sich an ihn. Sie sprte einen leichten Gegendruck, wie wenn er sich an sie anlehnen wrde. Ihre Gefhlswelt war in heller Aufruhr. Da war Geborgenheit, Sehnsucht und auch Angst in ihr. Sie schluckte.

Wie wenn er spren knnte, was in ihr vorging, hielt er sie noch etwas fester im Arm und streichelte beruhigend ihre Schulter. Nun standen sie Beide da, aneinandergelehnt und betrachteten den Park. Die Sterne am Himmel warfen ein leichtes Licht ber den Rasen und liessen alles sanft leuchten. Ob es am Wein lag? Oder an der vertrauten Stimmung? Auf einmal begann Xena alles zu erzhlen, wie sie hier her gekommen war, was sie jahrelang durchgemacht hatte, wie schwer ihr es viel  Vertrauen aufzubauen, wie wohl sie sich hier fhlte und die Angst um Alice, dass sie keinen Beruf hatte und das sie nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Sie war ganz ruhig, als sie alles erzhlt hatte, nur ein paar Trnen liefen ihr bers Gesicht. Bevor sie sie aber wegwischen konnte, hatte sich der Fremde zu ihr gedreht, nahm ihr Gesicht in seine Hnde, streichelte ihr die Trnenspuren weg und nahm sie fest in die Arme. Xena legte den Kopf an seine Schultern und genoss das vertraute Gefhl.

Dann begann der Fremde zu erzhlen, von seiner Frau, die ihn jahrelang betrogen hatte. Von seinem Haus, das nun so einsam war, dass er dort nicht sein wollte. Das er sich eigentlich vorgenommen hatte, sich nie mehr zu verlieben, dass er Angst hatte, wieder enttuscht zu werden. Das er sich einsam fhlte und nicht glcklich war, dass er eigentlich immer eine Familie wollte, aber seine Frau nur an gesellschaftlichen Unternehmungen interessiert war und keine Kinder wollte. Seine Stimme wurde noch einen Hauch dunkler und als er fertig war, musste er schwer schlucken.

Nun war es an Xena, ihn fester in die Arme zu nehmen. So standen sie einige Zeit, hielten einander fest und nahmen die Nhe des anderen sehr bewusst war. Auf einmal hob er ihr Kinn mit der Hand sanft hoch, sah ihr lange in die Augen. „Ich muss dir noch was sagen“, er machte eine Pause. Xena blickte ihn verwirrt an, was kam jetzt?  Sie konnte ihm ansehen, es fiel ihm nicht leicht. „Na los, sag es. So schlimm kann es doch nicht sein“, mit diesen Worten strich ihm leicht ber die Wange. Er holte tief Luft „ Also, das hier ist mein Haus“ , seine Stimme war nur ein Flstern. Sie blickt berrascht zu ihm auf „Dein Haus? Dann wusstest du schon vorher, wer ich bin? Warum ich hier bin?“ Xena wollte etwas abrcken, doch er hielt sie sanft fest. „Nein, ich wusste es nicht, erst als du mir den Weg hierher beschrieben hast“

Nun war sie verwirrt, sollte sie ihm glauben? Er sprte die Verwirrung“ Deine Freundin Bea hat mich angerufen, sie kannte dieses Haus. Auch wusste sie, dass ich hier nicht oft bin, nur um nach dem Rechten zu sehen. Bea kennt meine Geschichte, da ich ja mit ihrem Freund gut bekannt bin, hat sie das alles mitbekommen. Und als sie mich angerufen hat,  und mich gefragt hat, ob es mglich sei, das Haus fr unbestimmte Zeit  von jemand bewohnen zu lassen habe ich nicht nachgefragt. Ich wusste, wenn Bea mich so was fragt, ist es dringend“

Xena berlegte, probierte ihre wirren Gedanken zu ordnen. „ Du wusstest nicht, wer in dein Haus zieht? Du wusstest nicht, wer ich bin? Dass ich in deinem Haus wohne?“ Der Fremde schttelte den Kopf. Ein kleines Lcheln erschien auf seinem Gesicht, Xena sah es mit Erstaunen und sah ihn fragend an. „Wenn ich gewusst htte dass du das bist, dann wre ich von Anfang an hier aus und ein gegangen“ Nun musste Xena auch schmunzeln. „ Und ich htte drauf bestanden, dass der Hausherr hier wohnen bleibt“

Der Fremde sah ihr forschend in die Augen : „Ist das dein Ernst?“ fragt er mit tiefer Stimme.

Xena  erwiderte den Blick, genoss den Schauer, den die Stimme bei ihr hervorrief „Ja“ war alles, was sie sagen konnte, denn da neigte er den Kopf  und gab ihr einen zrtlichen Kuss.

Die ganze Welt drehte sich um Xena und als sie die Augen wieder ffnete, waren da diese dunklen Augen, die sie so sehr in den Bann zogen.

Glcklich lehnte sie sich in seine Arme, sah dann herrlich Park an und dankte in Gedanken ihrer Freundin, dass sie so unbewusst Schicksal gespielt hatte.

 

 

 

 

 

                              ENDE

 

 

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                                            Annas Traum

 

 

 

 

Anna steckte den Schlssel ins Trschloss und machte die Tre auf. „Hallo? Mama, bist du da?“ Als keine Antwort kam, seufzte sie und zog die Tre hinter sich zu. Sie stellte die Schultasche in die Kche und setzte sich auf den Stuhl. Ihr Blick glitt ber die Kchenzeile, die schon bessere Tage gesehen hatte und wieder kam ein leises Seufzen ber den Mund der 14 Jhrigen .Ihr Blick blieb an einem Zettel hngen, der an der Khlschranktre klebte. Sie stand auf, um die Nachricht zu lesen.

„Liebe Anna, musste noch mal weg und bei Frau Hauer die Fenster putzen. Ich weiss, du httest es lieber, wenn ich hier wre, aber es geht leider nicht anders. Das Essen steht im Ofen. Ich bin bald wieder da, hab dich lieb. Mama“

Anna knllte den Zettel zusammen und warf ihn in den Abfalleimer. Dann ffnete sie den Ofen, um sich ihr Essen zu nehmen. „schon wieder Suppe“ mumelte sie, und schob den Topf wieder zurck. Sie nahm ihre Schultasche, setzte sich an den wackeligen Kchentisch und begann mit den Hausaufgaben. 2 Stunden sass sie konzentriert darber und als sie fertig war, wurde es schon dunkel. Anna ging ans Fenster, blickte hinaus „Mama, wo bleibst du nur so lange“ wunderte sie sich. Sie drehte sich um, packte ihre Sachen in die Tasche und wischte den Tisch ab. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, das es schon bald 18 Uhr war, und langsam machte sie sich Sorgen. Um sich abzulenken lief sie in der Wohnung umher, und rumte auf. Was schwer war, denn ihre Mutter war sehr ordentlich und ging nie aus dem Haus, wenn nicht alles blitzte. „Ob ich bei Frau Hauer mal anrufen sollte?“ grbelte sie. Unschlssig hielt sie den Hrer in der Hand, da hrte sie, wie sich die Tre ffnete. „Mama, bist du das?“ rief sie und ging Richtung Tre. „Ja, wer sollte es denn sonst sein?“ kam als Gegenfrage zurck.

„Stimmt“ lachte Anna und trat ihrer Mutter gegenber. „hallo Mama“ sagte sie, und gab ihr einen Kuss auf die Backe. „Hallo mein Kind, kannst du mir mal die Tte abnehmen?“

Anna nahm ihrer Mutter die Tasche aus der Hand und trug sie zur Kchenzeile. „Hast du eingekauft? Warum hast du nicht gewartet, ich wre doch mitgegangen und htte dir tragen geholfen“ Mittlerweile hatte die Mutter sich die Schuhe und Jacke ausgezogen und kam auch in die Kche „ ich hatte viel Arbeit bei Frau Hauer, aber sie hatte einen guten Tag und hat mir das Geld gleich gegeben. So konnte ich noch schnell die Sachen besorgen“.

Anna freute sich, als sie die Tasche ausleerte. Da waren Joghurts dabei, Wurst und frisches Brot. Als ihre Mutter vor ihr stand, blickte sie auf und war berrascht: sie hielt ein Pckchen in den Hnden. „Was hast du da?“ wollte die 14 Jhrige neugierig wissen. „Das, das ist fr dich. Ich weiss, du hast es nicht einfach. Du wirst in der Schule schief angesehen, weil ich dir nicht die Kleidung kaufen kann, die all die anderen haben. Auch weil du nur selten was mit deinen Freundinnen unternehmen kannst, aber glaub mir, ich tue, was ich kann. Nur manchmal, da reicht es eben nicht und du musst auf vieles verzichten. Und darum habe ich heute ein kleines Geschenk fr dich. Es ist dafr, weil du dich nie beklagst und mir keine Vorwrfe machst“

Anna schluckte. Sie wusste, die Mutter meinte damit, das sie Schuld sei, denn sie hatte sich ja von ihrem Vater getrennt, allerdings war sie da noch sehr klein gewesen. Sie wusste, ihr Vater war wohlhabend und Mutter hatte oft ein schlechtes Gewissen, denn wre sie bei ihm geblieben, dann knnten sie ein anderes Leben fhren. Doch Anna war der Mutter nicht bse, sie wusste, er hatte sie geschlagen und betrogen und sie hatte diese Entscheidung zu recht getroffen. Sie legte der Mutter die Arme um den Hals:“ Mama, du sollst dich nicht immer schuldig fhlen, und mitbringen sollst du mir auch nichts. Aber ich danke dir dafr“

Neugierig ffnete sie das Geschenk. Es war ein dickes Buch, mit rotem Einband und leeren Seiten. Als sie das Buch ffnete, rutschte ein wunderschner Stift aus den Seiten, er war mit Wasser gefllt, in dem kleine Sterne schwammen. „Das ist ja wunderschn, danke Mama“ rief sie und gab der Mutter einen Kuss! Diese war froh, ihr so eine Freude gemacht zu haben.

„Jetzt essen wir zu Abend, und dann kannst du all deine Geschichten in dieses Buch schreiben. Dafr ist es gedacht“

Anna legte die Sachen nur wiederwillig aus der Hand, eigentlich wollte sie sich gleich hinsetzen und all die Geschichten, die sie in kleinen Heftchen schon aufgeschrieben hatte, in das Buch bertragen. Aber sie wusste auch, wie sich die Mutter freute, wenn sie abends zusammen am Tisch saen.

Whrend des essens wurde ber die Schule geredet, ber Frau Hauer, die ihre Mutter sehr beanspruchte und ber die kleinen Dinge, die sich ereignet hatten. Gemeinsam rumten sie den Tisch ab, splten das Geschirr. Erst als alles sauber war, setzte sich die Mutter mit einem Buch in die Ecke und Anna begab sich in das Zimmer, wo ihr Bett stand. Sie hatte kein eigenes Zimmer, aber das strte sie nicht. Naja, manchmal trumte sie schon davon, ein eigenes Zimmer zu haben, mit Schreibtisch und einem Fernseher. Nur fr sie alleine, aber sie wusste, das ging nicht. Darum lud sie auch keine Freundinnen ein, denn diese htten es nicht verstanden, wie man in einer 2 Zimmer Wohnung leben kann. Aber Anna wusste es zu schtzen, denn das wenige Geld, das Mutter verdiente und auch die Ersparnisse, gingen fr ihre Schulausbildung drauf. Sie war froh, eine Privatschule besuchen zu knnen, und das ihre Mutter ohne zu zgern sie damals dort angemeldet hatte. Auch wenn sie jetzt an allen Ecken sparen mussten. Sicher, sie konnte nicht mit Kleidung, Wohnung und Unternehmungen mithalten, aber bei den Noten steckte sie alle in die Tasche. Anna musste lachen, als sie daran dachte, das sie die Beste in ihrer Klasse war. Darauf war sie stolz, schliesslich wollte sie ihrer Mutter ja spter ein schnes Leben ermglichen, nachdem diese nun so hart fr sie arbeitete.

Sie nahm ihr Buch und den neuen Stift und warf sich aufs Bett, hielt den Stift gegen das Licht und beobachtete die Sterne, die sich bewegten. Sie versank in ihren Gedanken und zog sich in ihre Traumwelt zurck. In dieser Welt gab es keine Geldprobleme, keine zu kleine Wohnung und keine zickigen Mitschler. Es gab Partys, Discobesuche und hbsche Mnner, die sie bewunderten und sie ausfhrten. Und in diesen Trumen war auch Sven an ihr interessiert. Sven war ihre heimliche Liebe, schon seit ber einem Jahr. Er war gro, hatte blondes Harr und die blausten Augen, die sie je gesehen hatte. Gerade malte sie sich aus, das Sven sie einladen wrde, da fiel mit einem lautem Knall das Buch auf den Boden. Anna schrak auf. Noch etwas benommen von ihren Trumen bemerkte sie, das es schon finster war. Se hatte Stunden auf dem Bett gelegen. Fassungslos schttelte sie den Kopf und ging ins Bad, um sich frs Bett fertig zu machen. Als sie ins Wohnzimmer blickte, sah sie, dass ihre Mutter im Sessel eingeschlafen war. Leise legte sie eine Decke ber ihre Fsse und ging ins Bett.

Als der Wecker klingelte, war es noch finster. Anna hrte, wie ihre Mutter leise aufstand, um sie nicht zu wecken. Ein Blick zur Uhr, es war erst halb 4 Uhr in der Nacht. Sie wusste, Mutter ging zu Frau Hauer, um ihr den Haushalt zu machen. Leise seufzte sie „wenn ich nur etwas tun knnte, dass Mutter nicht immer so viel arbeiten msste“. Aber es half ja nichts, irgendwie mussten sie ja Miete und die laufenden Kosten bezahlen. Und ihre Schule war auch sehr teuer, das wusste Anna. Als sie hrte, das Mutter die Tre hinter sich ins Schloss zog, stand sie auf, sie konnte nun eh nicht mehr schlafen.

Nachdenklich sah sie das neue Buch an, und ihr kam eine Idee. Rasch huschte sie ins Bad, wusch sich und zog sich an. Dann machte sie sich einen heissen  Tee, nahm die Tasse mit ans Bett und machte es sich gemtlich. Dann nahm sie den Stift vom Nachttisch, das Buch in die Hand und fing an zu schreiben. Die ersten Stze gingen noch zaghaft, doch dann lief es wie von selbst.

Anna bekam rote Backen vor Eifer, sie war ganz vertieft in ihre Arbeit. Zwischendurch kam ein rascher Blick  zur Uhr, sie durfte ja die Schule nicht verpassen.

Als es kurz nach 7 war, klappte sie mit Bedauern das Buch zu, steckte es in die Tasche und machte sich auf den Weg zur Schule. Da das dauernde Busfahren zu teuer war, fand Anna, ging sie jeden morgen eine gute halbe Stunde zu Fuss in die Schule, es machte ihr nichts aus, so konnte sie Ideen fr ihre Geschichten sammeln. Ihre Mutter wusste dies nicht, und das Geld, das sie ihr immer Montags fr eine Wochenkarte gab, sparte Anna gewissenhaft. Manchmal hatte sie ein schlechtes Gewissen deswegen, denn ab und zu fehlte das ntige Kleingeld, um Sachen zu kaufen, die sie dringend brauchten. Aber sie wollte ihrer Mutter berraschen, darum verdrngte sie die Gewissensbisse standhaft. Kurz vor der Schule blieb sie stehen und holte tief Luft. Auf ihre zickigen Mitschlerinnen hatte sie keine Lust, stndig fanden sie was anderes, mit was sie Anna rgerten. „ Auf in den Kampf“ machte sie sich selber Mut. Vielleicht sah sie ja heute Sven, und vielleicht bemerkte er sie auch. Mit dieser Hoffnung machte sie sich auf die letzten Meter, warf entschlossen ihr halblanges Haar in den Nacken und ffnete die Klassentre. Wie jeden Tag sahen sie die Mitschler spttisch an, sie konnten nicht verstehen, das sich jemand nichts aus Markenkleidung und Schminke machte. Dazu kam wahrscheinlich noch der Neid, das sie eine gute Schlerin war. Anna ging schweigend, wie immer, zu ihrem Platz und bereitete sich auf die erste Stunde vor. Das Tuscheln der neben an Sitzenden ignorierte sie, auch das hmische, leise Gelchter.

Der Lehrer trat ein, und der Schultag begann. Auch in den Pausen war Anna eine Aussenseiterin, sie schlenderte alleine ber den Pausenhof, immer bedacht, den Ziegen, wie sie ihre Mitschlerinnen nannte, aus dem Weg zu gehen, und ihnen keinen Anlass dazu zu geben, sie zu rgern.

Heute war sie so in Gedanken, das sie ganz erschrak, als sie mit jemandem zusammen stie. „Entschuldigung ,tut mir leid“ murmelte sie leise und schaute nach oben. Da stand Sven, sie htte ihn fast umgerannt! Anna wurde ber und ber rot, und konnte nichts mehr sagen. Sven hatte ein kleines Grinsen auf den Lippen, „macht nichts“ sagte er zu ihr. Anna konnte den Blick nicht von seinen Augen wenden, wie diese strahlten und funkelten. Sie konnte nichts mehr sagen oder denken, sie stand wie angewurzelt da und blickte in diese Augen.

Auf einmal kamen von hinten ihre Mitschlerinnen, machten sich ber sie lustig und nahmen Sven in Beschlag. Sie scharrten sich um ihn, und der Moment war vorbei. Anna senkte den Blick, ging langsam in Richtung Schule zurck. „Wenn ich nur auch so selbstbewusst wre“ dachte sie sich, und ging schneller. Dadurch entging ihr, das Sven sich nach ihr umdrehte und ihr nachsah.

Als die Schule vorbei war, ging sie langsam nach Hause. Sie brauchte sich nicht zu beeilen, denn ihre Mutter war noch mindestens 3 Stunden beschftigt. Sie schlenderte an den Geschften vorbei, blickte in die Fenster und stellte sich vor, wie toll es wre, einmal nach Herzenslust einkaufen zu knnen. An einem Schaufenster blieb sie lange stehen und betrachtete die Auslage. Da war das, was sie ihrer Mutter schenken wollte. Sie las das Plakat jeden Tag:

Ein Erholungswochenende fr 2 Personen-130 Euro.

Anna dachte nach, sie war sich nicht sicher, wie viel sie schon gespart hatte, doch viel konnte nicht mehr fehlen, da war sie sich sicher. Aber sie musste auch noch mit Frau Hauer reden, damit sie ihrer Mutter an Wochenende frei gab. Das war wohl das schwerste an der ganzen Sache. Sie wusste von ihrer Mutter nur, das Frau Hauer sehr eigen war, und darauf bestand, das Mama immer kam. Und ausserdem musste sie einen Zeitpunkt whlen, wo Mutter nicht im Haus war. Sonst wre ja die berraschung verdorben.

Sie riss sich vom Fenster los, und ging nach Hause. Wie erwartet, war ihre Mutter noch nicht da, wie jeden Tag machte sie ihre Hausaufgaben, und dann ging sie in den Raum, wo ihr Bett stand. Sie hob die Matratze hoch, nahm eine kleine Dose hervor und machte sie auf. Da drin war das Geld, das sie gespart hatte. Sie schttete es aus, und begann zu zhlen. Sorgfltig zhlte sie das Kleingeld zu Stapeln, je 10 Euro. Als sie es zusammenzhlt, strahlte sie: „ Es sind ja schon 145 Euro“ jubelte sie leise. „Nun muss ich nur noch zu Frau Hauer“

Sie hrte, wie die Tre sich ffnete, rasch nahm sie das Geld, steckte es in die Dose und brachte es wieder sicher unter.

Dann lief sie in die Kche, um ihre Mutter zu begren. Sie plauderten etwas,  als Anna auf einmal sagte: „Du Mama, eine Freundin hat mich gefragt, ob ich heute mal kurz kommen knnte, sie hat in der Schule was nicht ganz verstanden“. Die Mutter sah sie fragend an :         “ welche Freundin denn?“ Anne berlegte schnell: „ Na, die...hm, die Susanne, die wohnt da beim Supermarkt.“ Als sie merkte, das sie rot wurde, stand sie schnell auf, um ihren Teller in das Splbecken zu stellen. „Musst du heute noch mal zu Frau Hauer?“

Als sie sich umdrehte, sah sie, wie ihre Mutter verneinend den Kopf schttelte. „Nein, muss ich nicht, aber geh du nur zu Susanne, ich mach es mir etwas gemtlich und lese mein Buch weiter“ Anne umarmte ihre Mutter „ich bleib auch nicht lang, versprochen“

Schnell zog sie Jacke uns Schuhe an. Als sie die Tr hnter sich schlo, war sie erleichtert. Mutter hatte anscheinend die Lge nicht bemerkt. Sie lief aus dem Haus, und schlug den weg zu Frau Hauer ein. Etwas mulmig war ihr schon, als sie 10 Minuten spter vor deren Tre stand. Sie holte tief Luft und drckte auf den Klingelknopf.

 Es dauerte eine ganze Weile, bis sich schliesslich die Tre ffnete. Eine nett aussehende, etwas ltere Frau stand vor ihr. Schchtern fragte Anna nach Frau Hauer. „Ja, das bin ich, aber wer bist du, und was willst du von mir?“

Anna begann zu stottern „ Also, ich, ich wollte sie fragen...weil ich bin die Tochter...“

Ein Lcheln trat in Frau Hauers Gesicht:“ sei doch nicht so aufgeregt, du bist die Tochter von Frau Meisel, oder?“ Anna nickte nur. „Na, dann komm mal rein, vielleicht magst du ein Glas Saft?“ Wieder nickte Anna. Und als sie der Frau in das Haus folgte, verschlug es ihr komplett die Sprache. Es waren riesen groe Rume, sehr hell, durch die groen Fenster konnte man hinten in den  Garten sehen. Da stand eine helle Rundecke, schn mit Kissen dekoriert, der Tisch was aus Glas und es standen wunderschne Blumen darauf. Mit offenem Mund betrachtete sie die imposanten Bcherregale, die bis oben hin voll mit Bchern waren.

Frau Hauer trat hinter sie „Komm doch, setzt dich. Deinen Saft stelle ich auf den Tisch“ Anna folgte schweigsam, und setzte sich ans usserste Eck der Couch, um ja nichts zu verschmutzen. Dann begann sie zu sprechen, sie erzhlte von ihrer Mutter, von ihrer Idee, ihr ein Wochenende schenken zu wollen. Sie war so eifrig bei der Sache, das ihr entging wie Frau Hauers Gesicht ganz weich wurde. Geschickt stellte diese Fragen, und bekam so herraus, das es ihrer Putzfrau und Anna gar nicht so gut ging, wenigstens finanziell. Sie war gerhrt, ber Annas Eifer, ihrer Mutter eine Freude machen zu knnen. Zugleich fhlte sich Frau Hauer etwas unwohl, denn sie hatte nicht mal geahnt, das es den Beiden so schlecht ging. „Anna, du bist ein liebes Mdchen, was hat deine Mutter nur fr ein Glck dich zu haben“

„Aber Frau Hauer“, entgegnete Anna „ Mama tut sehr viel fr mich, sie spart an allen, das sie die schule bezahlen kann, das wir zu essen und Anziehsachen kaufen knnen“ Sie sagte das mit soviel berzeugung, das Frau Hauer ganz warm wurde ums Herz. „ Anna, um auf deine Frage zu antworten, sicher kannst du ins Reisebro gehen und das Wochenende bezahlen. Deine Mutter wird sich sehr freuen. Aber eine Bitte htte ich noch.....“ Anna sah die Frau fragend an. „ Es ist nichts schlimmes, aber wrdest du ab und zu mal bei mir vorbei kommen? Ich bin den ganzen Tag alleine, ausser wenn deine Mutter hier ist. Wir knnten uns in den Garten setzten, etwas plaudern oder du kannst dir auch Bcher ausleihen. Ich wre ber Gesellschaft sehr froh“ Anna bleib vor staunen der Mund offen stehen. Frau Hauer lachte herzhaft, und Anna sah bewundernd, wie schn die Frau denn trotz ihres Alters noch war! Sie schtzte sie so ber 80, Anna nahm sich vor, bei der nchsten Gelegenheit mal ihre Mutter danach zu fragen.

Anna zuckte zusammen, als die Standuhr schlug. Es war schon 18 Uhr! Hastig stand sie auf „Frau Hauer, ich muss jetzt gehen, meine Mutter, sie wartet und ausserdem weiss sie gar nicht, das ich bei ihnen bin“ Annas Stimme klang unsicher. „ Mach dir keine Sorgen, ich werde ihr nichts verraten. Aber denkst du daran, wenn du mal zeit hast? Ich wrde mich wirklich freuen“ Frau Hauer  klang etwas traurig und hoffnungsvoll zugleich. Anna sagte zu, das sie nchste Woche vorbeikommen wrde. Dann schloss sie die Tre hinter sich und lief nach Hause. Sie war ganz ausser Atem, das mit dem Reisebro hatte sie nicht mehr geschafft, aber das wrde sie morgen nachholen, gleich nach der Schule nahm sie sich vor.

Langsam ging sie die Treppen nach oben, dabei berlegte sie, was sie ihrer Mutter sagen sollte, wieso sie so spt kam. Anna ffnete die Tre „Mama, ich bin wieder da!“ Sie bemhte sich, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. Es kam keine Antwort. Ob sie schlief? „Das wre ja super“, dachte Anna. Sie ging leise ins Wohnzimmer, ihre Mutter sa schlafend im Sessel, das Buch auf ihren Knien. Anna schlich ins Zimmer, zog leise Jacke und Schuhe aus. Dann setzte sie sich auf ihr Bett und dachte nach. Frau Hauers Haus war riesen gro, sie musste sich doch einsam fhlen, so ganz alleine. Und sie hatte nur ihre Mutter um sich, wenn diese putzte. Warum nur, war diese Frau so einsam? Anna konnte es sich nicht erklren. Da war sie doch froh, wenig Geld zu haben, eine kleine Wohnung, aber eine Person, die sie liebte.

Sie holte ihr Buch hervor und begann zu schreiben. Sie war so vertieft, das sie nicht bemerkte, das sich die Tre ffnete, und ihre Mutter ins Zimmer trat. „Anna, du bist ja schon da. Warum hast du mich nicht geweckt?“ „ Mama, hast du mich erschreckt!“ Anna musste sich erst mal beruhigen, der Schreck war ihr durch die Glieder gefahren. „ Du hast geschlafen, warum sollte ich dich wecken. Sei doch froh, das du mal Ruhe hattest.“ Sie stand vom Bett auf „ Ich mache erst mal Abendbrot“

Als sie gemeinsam am Tisch saen, begann Anna ihre Mutter ber Frau Hauer auszuhorchen. So brachte sie in Erfahrung, das Frau Hauer 83 Jahre alt war, und ihr Mann schon vor 12 Jahren verstorben war. Sie hatte keine Kinder und keine Angehrigen, ausserdem hatte sie viel Geld von ihrem Mann geerbt. Ihre Hobbies waren lesen und ihr Garten. Sie verliess das haus so gut wie nie, war immer zu Hause.

Annas Mutter wunderte sich zwar ber ihr Interesse, aber sie fragte nicht weiter.

Gemeinsam deckten sie den Tisch ab, und Anna ging ins Zimmer, um sich umzuziehen und noch etwas zu schreiben. Das Schreiben ging wie von selbst, bis sie den Stift zu Seite legte, hatte sie schon das halbe Buch gefllt. Anna war erschpft, der Tag war anstrengend gewesen. Sie drehte sich um und schlief sofort ein.

Am nchsten Morgen erwachte sie schon um halb 5. Erstaunt blickte sie nochmals zur Uhr, um sich zu vergewissern. „So frh noch?“ wunderte sie sich. Schnell lief sie ins Bad, wusch sich und zog sich an, dann nahm sie, wie am Tag davor ihren Tee mit ins Bett, und begann wieder zu schreiben. Um 7 Uhr legte sie den Stift aus der Hand. „Fertig“ murmelte sie. Von sich selbst berrascht sah sie das Buch noch einmal durch. Jede Seite war voll mit ihrer Handschrift.

„ Au weia, nun muss ich mich aber beeilen“ rief sie, nach einem Blick zur Uhr. Sie schnappte sich die Tasche, steckte die Dose hinein, zog die Jacke im Treppenhaus an, und lief im Eiltempo zur Schule.

Heute war sie nicht ganz bei der Sache ,der Unterricht interessierte sie heute wenig. Immer wieder ging sie in Gedanken das Buch durch und dann freute sie sich noch, auf den Heimweg. Da wrde sie im Reisebro das Wochenende buchen. Sie war schon gespannt auf Mutters Gesicht.

Anna konnte es kaum erwarten, und war die erste, die nach Schulschluss das Klassenzimmer verlie. Ihr entgingen die neugierigen Blicke der Mitschlerinnen, da sie sonst immer eine der Letzten war .Auch als sie auf dem Flur mit Sven zusammen stie. Kam nur ein flchtiges „tschuldigung“ ber ihre Lippen, und weg war sie.

Atemlos kam sie am Reisebro an. Als sie hineinging war sie noch ganz ausser Atem. Bei einer freundlichen Verkuferin  trug sie ihr Anliegen vor. Die nahm sich viel Zeit, erklrte ihr alles, sie suchten ein Wochenende aus und machten alles fertig. Anna lie sich einen Gutschein geben, den die nette Verkuferin noch einpackte und eine Schleife darum machte. Anna bedankte sich herzlich und war erleichtert, das es nun endlich geschafft war.

Hpfend vor Freude machte sie sich auf den Heimweg.

Als sie die Tre aufmachte, war sie ganz erstaunt. Da standen Mamas Schuhe und ihre Jacke war auch an der Garderobe....  Schnell ffnete sie die Kchentre „Mama, was machst du schon hier?“ Ihre Mutter sa am Kchentisch, hatte den Kopf aufgesttzt und sah nicht gerade glcklich aus. „Frau Hauer musste ins Krankenhaus, sie hat irgendwas mit dem Herzen.“

Anna sank auf den Stuhl, und musste sich erst mal fassen. Ihre Mutter durfte doch nicht merken, das sie diese Frau kannte. „Oh, wie konnte das nur passieren?“  Annas Mutter zuckte mit den schultern „ Ich wei auch nicht, irgendwie war sie heute eh seltsam. Sie hat mir Kaffee angeboten, und dann haben wir uns unterhalten. Sie war sehr nett heute.“

Anna berlegte. Heute war kein guter Tag, um ihrer Mutter den Umschlag zu geben. Sie wrde das ganze auf morgen verschieben. Erstmal wollte sie ins Krankenhaus, Frau Hauer besuchen. „und was wird jetzt mit der Arbeit?“ wollte Anna wissen. „ Ich soll trotzdem kommen, und alles machen.“ Antwortete ihre Mutter „Sie will nicht, das man denkt, das Haus wre unbewohnt“

Anna nickte, da war was wahres dran. „ich soll auch lnger bleiben, hat sie gesagt“ meinte Annas Mutter, mit diesem Satz stand sie auf, um Mittagessen zu machen. „ ich weiss nicht, was werden soll. Wenn Frau Hauer nun nicht mehr alleine wohnen kann, sie ist ja auch schon etwas lter. Was wird dann aus meiner Arbeit?“ Anna sprte die Angst ihrer Mutter, sie ging zu ihr und legte ihr die Arme um den Hals. Mehr konnte sie nicht tun. Nach dem essen ging sie ins Zimmer, legte sich aufs Bett und grbelte. Sie merkte, das die ganze Geschichte ihre Mutter sehr belastete. Was ja auch logisch war, schliesslich hing alles von dieser Arbeit ab.

Anna schluckte, sie mochte sich gar nicht vorstellen, was das bedeuten wrde.

„Am liebsten wrde ich ja gleich dahin...“ „Lass es nur nichts schlimmes sein“....“Die arme Frau Hauer...“ das alles sagte Anna leise vor sich hin. Aber alles grbeln half nichts, sie musste sich bis morgen gedulden. Anna nahm die Schultasche und machte sich ber die Hausaufgaben. Das lenkte sie etwas ab, und als sie fertig war, wurde es auch schon finster.

Anna ffnete die Tre zum Wohnzimmer:“ Soll ich Abendbrot machen?“  fragte sie ihre Mutter. Diese schttelte nur den Kopf. Anna zuckte die Schultern und zog sich wieder in ihr Bett zurck. Kein Wunder, das Mutter keinen Hunger hatte, ihr gingen sicher die gleichen Gedanken im Kopf herum, dachte Anna.

Mit einem Klo im Hals machte sie sich fertig, um ins Bett zu gehen. Sie wollte ihre Mutter nicht mehr stren, denn sie wusste nicht, wie sie sie trsten knnte.

Am nchsten Morgen erwachte Anna erst um kurz vor 7. „So ein Scheiss“ rief sie, sprang aus dem Bett und zog sich hastig an. Fast htte sie den Zettel am Khlschrank bersehen, denn frs Frhstck blieb keine Zeit mehr.

 „Liebe Anna, ich bleibe heute etwas lnger in Frau Hauers Haus, mach dir keine Sorgen“

Anna nahm ihre Schultasche und rannte los. Sie wollte nicht zu spt in die Schule kommen.

In der Schule konnte sie sich nicht konzentrieren, alles lief irgendwie an ihr vorbei. Dauernd dachte sie an den Besuch im Krankenhaus. Sie war froh, als der Schultag vorbei war und die Glocke das Ende des Schultages verkndete. Schnell packte sie ihre Tasche und machte sich auf den Weg. Das Krankenhaus war zum Glck nicht weit entfernt, und so dauerte es nicht lange, bis sie an der Anmeldung stand. Etwas ausser Atem erkundigte sie sich, wie Frau Hauers Zimmernummer lautete. Sie lie sich noch den Weg erklren, denn im Krankenhaus kannte sie sich nicht aus. Dank der guten Wegbeschreibung kam sie, ohne sich zu verlaufen, am Krankenzimmer an. Sie klopfte und war erleichtert, als Frau Hauers Stimme erklang.

Als sie ins Zimmer trat, erhellte sich das Gesicht der alten Dame. „Anna, wie schn“

„Frau Hauer, wie geht es Ihnen? Ist es schon wieder besser? Wir haben uns groe Sorgen gemacht“, die Stze sprudelten nur so aus Anna heraus. Frau Hauer lachte „Nun mal langsam, mein Kind. Mir geht es gut, in 4 Tagen darf ich nach Hause.“ Anna war froh, ihr ging es gut. Und auch die anderen Probleme lsten sich in Luft auf. Sie holte sich einen Stuhl und setzte sich neben das Bett. Dann begannen sie zu plaudern, ber die Schule, ber Annas Leben, ber ihre Plne fr die Zukunft. Anna erzhlte ihr, das sie Schriftstellerin werden wollte. Frau Hauer war sehr erstaunt und erkundigte sich, ob sie schon was geschrieben htte. Anna bejahte dies: “ Ich habe viele Sachen geschrieben, erst gestern habe ich meine letzte Geschichte beendet“

Die alte Dame wurde neugierig:“ Darf ich mal was lesen? Hier ist es so langweilig, ich hatte keine Zeit, mir etwas zum lesen einzupacken“

Anna zgerte, noch nie hatte jemand ihre Geschichten gelesen. Sollte sie? „Ach, was ist schon dabei, gib dir einen Ruck“ sagte Frau Hauer und lchelte ihr zu. Anna griff nach ihrer Tasche, und holte das rote Buch heraus. Sie legte es auf das Bett: „Ok, ich lasse es ihnen da, aber nur, wenn sie mir ihre ehrliche Meinung dazu sagen“

 Die Dame sah ihr in die Augen „Natrlich, ich werde dir ehrlich sagen, wie ich es finde“

Anna blickte auf die Uhr und stand auf“ ich muss nach Hause, ich mchte vor meiner Mutter daheim sein“ Frau Hauer nickte: „Machs gut, kommst du morgen wieder?“

„Ja, ich denke schon. Tschss Frau Hauer und gute Besserung“, mit diesen Worten ging Anna zur Tre hinaus. Auf dem Nachhauseweg grbelte sie noch darber nach, ob es richtig gewesen war, ihr die Geschichte zu geben. Doch nun war es eh zu spt, passiert war es schon.

Als Anna nach Hause kam, war ihre Mutter noch nicht da. Sie setzte sich an den Tisch und begann mit den Hausaufgaben.  Dann hrte sie den Schlssel im Schlo, Mutter kam nach Hause. Fragend blickte sie ihre Mutter an: „Und, gibt es schon was neues von Frau Hauer?“ Anna hatte Angst rot zu werden. Ein klein wenig hatte sie ein schlechtes Gewissen, das sie nicht ehrlich zu ihrer Mutter war. Annas Mutter schttelte nur den Kopf und setzte sich mde auf den Stuhl. Es war ihr deutlich anzusehen, das die ganze Situation sie sehr belastete. Anna stand auf, und umarmte ihre Mutter “Es wird alles gut werden, ich wei es“ Die Mutter nickte, aber es war nicht wirklich berzeugend. Beide beschlossen ins Bett zu gehen, es war ein anstrengender Tag gewesen.

Als Anna in der Frh aufwachte, war ihre Mutter schon weg. Schnell sprang sie aus dem Bett und ging unter die Dusche. Heute hatte sie erst zur 3. Stunde Schule, also war noch Zeit genug Frau Hauer zu besuchen. Anna war so gespannt, ob sie schon in ihrem Buch gelesen hatte. Als sie die Tre des Krankenzimmers ffnete, bekam sie gerade noch das Ende eines Telefonates mit: “Ja, ich bin mir sicher. Da stehe ich voll dahinter. So machen wir es, auf Wiederhren“

„Guten Morgen Frau Hauer“, Anna schlpfte ins Zimmer. „Guten Morgen mein Kind, hast du heute keine Schule?“ Frau Hauer sah sie fragend an. Anna erklrte ihr, das sie erst zur 3. Stunde msste und setzte sich gespannt auf den Stuhl, der neben dem Bett stand. Ungeduldig zappelte sie auf dem Stuhl hin und her. Frau Hauer musste lachen „Ja, ich hab es gelesen“

„Und???“ Anna wartete gespannt. „Ich bin begeistert, ich habe gerade mit dem Verlag telefoniert“ Anna stand der Mund offen „Verlag?“ fragte sie verwirrt. „Ja, mein verstorbener Mann hatte einen Verlag und an dem schicke ich dein Buch. Es ist so gut, es muss verffentlicht werden“ Frau Hauer bekam vor Eifer ganz rote Backen. „ Ich werde dir helfen, so gut ich kann. Du hast ein groes Talent, das werde ich frdern“ Anna konnte nichts mehr sagen. Ein Blick auf die Uhr und sie stand benommen auf „Ich muss nun gehen, sonst komme ich zu spt“ schnell umarmte sie die Frau und schon war sie weg.

Der Schultag lief an ihr vorbei wie ein Film. Zu Hause angekommen begann sie mechanisch die Hausaufgaben zu erledigen und die Hausarbeit zu machen. Sie schrak zusammen, als ihr Mutter im Zimmer stand, nicht mal den Schlssel hatte sie gehrt. Als sie ihre Mutter ansah, merkte sie, das etwas passiert sein musste. Fragend blickte sie zu ihr auf. Annas Mutter fing zu sprechen an: „ Frau Hauer hat mich heute gefragt, ob wir zu ihr ins Haus ziehen mchten. Sie sei so alleine, sie htte gerne Gesellschaft. Und ausserdem mchte sie wieder etwas arbeiten. In dem Verlag ihres verstorbenen Mannes“. Anna wurde rot....was wusste Mutter?

„Mama, ich muss dir was erzhlen“, begann sie. Dann erzhlte sie von ihrer berraschung, und das sie ja das Einverstndnis von Frau Hauer gebraucht htte und sie so kennen gelernt hatte. Sie erzhlte von ihrem Buch, das nun verffentlicht werden sollte. Und: sie berreichte ihrer Mutter endlich das Geschenk.

Annas Mutter sa nur stumm da und hatte Trnen in den Augen. „Weit du, was sie noch gesagt hat?“ wurde Anna gefragt. Anna schttelte den Kopf. „Sie will dich bei deiner Ausbildung untersttzen, damit du spter in dem Verlag arbeiten knntest. Du wrst ein groes Talent, sie wrde uns jede Hilfe zu Teil werden lassen. Ich msste nicht mehr soviel arbeiten, sie wrde noch jemanden einstellen. Miete bruchten wir keine bezahlen, sie wolle mit uns einfach ihr Leben teilen.“

Sprachlos vor soviel Neuem sahen sie sich an. Dann machten sie sich gemeinsam auf den Weg ins Krankenhaus, mit einem groen Blumenstrau fr Frau Hauer.

 

 

Ende

 

 

 

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                                                         Schicksal

 

 

 

Emma drehte sich im Bett um und blickte zum Wecker. Es war noch frh, sie konnte sich mit dem aufstehen noch Zeit lassen. Sie kuschelte sich in ihr Kissen und schloss die Augen. Ein Lcheln glitt ber ihr Gesicht, als sie an Jan dachte. Ihren Jan. Sie waren nun schon ein halbes Jahr zusammen, und natrlich noch frisch verliebt. Sowas htte sie sich niemals ertrumt. Sie hatten viel Spass zusammen, konnten sich gut unterhalten und unternahmen viel. Was sie wohl heute machen wrden? Emma berlegte. Vielleicht zum See fahren? Emma sprang aus dem Bett. Noch 2 Wochen hatte sie Schule, dann war sie fertig und hatte den Abschluss in der Hand. ?Und dann 4 Wochen frei!!? jubelte sie. Da konnten sie viel Zeit miteinander verbringen. Danach konnte sie ihre Lehrstelle als Krankenschwester beginnen. Das war schon von klein auf ihr Traum gewesen. Singend lief sie ins Bad und machte sich fr die Schule fertig. Als sie ihr langes blondes Haar zu einem Zopf zusammenband, dachte sie wieder an Jan. Ein Blick zur Uhr sagte ihr, das er schon lngst in der Arbeit war. Er war ein Jahr lter als sie und hatte seine Lehre schon begonnen. Er hatte Glck gehabt, als er die Stelle bei der Zeitung bekommen hatte. Reporter war schon immer sein Wunsch gewesen.

Emma lief in die Kche: ?Guten Morgen Mama? rief sie gutgelaunt und drckte ihr einen Kuss auf die Wange. Emmas Mutter musste lachen, diese gute Laune war ansteckend. Sie hielt ihrer Tochter einen Teller mit frischen Toast hin. Mit groem Appetit  griff diese zu. ?Na, was habt ihr heute nach der Schule geplant?? Emmas Mutter mochte Jan, er war ein aufgeschlossener und freundlicher Junge. Mit genauen Zielen und Plnen fr sein Leben.

Die genuschelte Antwort verstand sie nur schwer...und musste noch mal nachfragen. Nun hatte Emma den Mund leer ?Ich denke, wir werden an den See fahren, es ist so schnes Wetter? Von ihrer Mutter kam ein nicken, ?ich mach euch ein Picknick zurecht, ja??

Strahlend umarmte Emma ihre Mutter, ?Tschss bis spter? und schon packte sie ihre Tasche und verlie die Wohnung in Richtung Schule.

Summend lief sie die Strasse hinab, dort vorne stand ihr beste Freundin Meli und wartete schon auf sie. Plaudernd und tuschelnd kamen sie im Klassenzimmer an. Die letzten 2 Wochen wurde nicht mehr viel gemacht, die Prfungen waren schon geschrieben

Und es wurden meist Filme geschaut oder Diskussionen gefhrt. Emma freute sich mit ihrer Freundin, diese hatte erst gestern bescheid bekommen das sie eine Lehre bei einem Zahnarzt beginnen konnte. Das war natrlich Gesprchsthema Nummer eins.

Als die Schule aus war stand sie noch einige Zeit mit ihren Freundinnen auf dem Pausenhof, danach ging sie rasch nach Hause. ?Noch 3 Stunden, dann kommt Jan? dachte sie bei sich. Als sie in die Kche kam, stand da schon ein Picknickkorb mit leckeren Sachen. Emma freute sich, Mama war ja so lieb. Sie war froh, das Mama Jan mochte. Da klingelte das Telefon, Emma nahm den Hrer ab:? Strobel Emma? meldete sie sich. ?Hallo meine Se?, Jans Stimme drang an ihr Ohr, ?Ich wollte dir nur sagen, wie lieb ich dich hab. Was machen wir heute?? Emma freute sich Jan zu hren. Sie erzhlte von ihrem Plan, an den See zu fahren, und das Mutter schon einen Korb hergerichtet hatte. Dann musste Jan wieder auflegen, er hatte noch ein Gesprch mit seinem Chef.

Emma packte noch die Schwimmsachen ein, es war ja wunderschnes Wetter. Dann hatte sie noch so einiges zu erledigen, und die Zeit verging wie im Flug. Emma war ganz erstaunt, als Jan klingelte, da hatte sie doch glatt die Zeit vergessen. Schnell nahm sie den Korb und lief zur Tre. Mit einem langen Kuss begrten sie sich. Jan nahm sie in den Arm und drckte sie fest.  Emma sah in seinen Augen, das etwas vorgefallen sein musste. Aber sie fragte nicht weiter, sie wusste, Jan wrde es ihr erzhlen. Beim See angekommen suchten sie sich ein abgelegenes Pltzchen, breiteten die Decke aus und setzten sich hin. Emma schaute nach, was sich im Korb so alles Leckeres versteckte. Als erstes holte sie Kuchen und eine Kanne mit Kaffee heraus. Sie saen dicht beisammen und unterhielten sich. Auf einmal wurde Jans Stimme erst :Ich muss dir was sagen?, begann er. Emma sah ihm in die Augen, sie merkte, das es ihm schwer fiel, aber auch Freude in seinem Blick war. Er gab ihr einen Kuss und erzhlte ihr, das sein Chef heute bei der Besprechung gesagt hatte, das er mit noch 2 Kollegen nach Amerika gehen solle, fr ca. 1 Jahr. Um dort bei einer Zeitung zu arbeiten und Berichte ber das Leben dort zu schreiben.

Emma bekam groe Augen. Er sollte weg? Fr ein ganzes Jahr? Sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte, einerseits freute sie sich fr ihn, das er so eine Chance bekam, aber andererseits...Emma schluckte, sie konnte ihn nur ansehen. Das war zu weit, um mal eben an einem Wochenende hin und her zufliegen. Jan nahm ihr Gesicht in beide Hnde: ?Du weit, ich liebe dich, das wird sich auch nicht ndern?, versprach er ihr. Sie konnte nur wortlos nicken. Dann lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter und genoss die Nhe. ?Wann musst du fliegen?? war alles, was sie leise sagen konnte. Jan schluckte ?Schon am kommenden Wochenende? Emma nickte, es blieben ihnen also noch 3 Tage. ?Komm, wir gehen schwimmen? mit diesen Worten zog sie Jan ins Wasser. Sie wollte nicht dran denken, sie wollte die Zeit genieen. Traurig sein konnte sie noch spter.

Als Jan sie abends heimbrachte, standen sie noch lange vor der Haustre und hielten sich in den Armen. Keiner sagte etwas, es war nur das Gefhl, den anderen zu spren wichtig.

Schlielich ging Emma nachdenklich nach oben. Sie wusste, wenn sie Jan sagen wrde, ihr wre das nicht recht, wrde er bleiben. Aber das wollte sie nicht, es war seine Chance, das fhlte sie.  Emmas Mutter merkte, das etwas vorgefallen war, aber sie wusste auch, Emma musste von selber zu ihr kommen. So verbrachten beide einen sehr nachdenklichen, ruhigen Abend.

Emma konnte nur schwer einschlafen, immer wieder stellte sie sich ein Leben ohne Jan vor. Sie seufzte schwer, und auch ein paar Trnen sickerten in ihr Kissen .Am nchsten Morgen erwachte Emma wie benommen. Sie hatte wenig Schlaf gefunden, das war an den tiefen Augenringen zu sehen. Langsam ging sie ins Bad, und ebenso langsam danach in die Kche. Ein leises ?Guten Morgen?, das war alles, was Emma sagte. Die Mutter sah sie besorgt an, aber sie konnte nichts tun, noch wusste sie nicht, was vorgefallen war. Hunger hatte Emma nicht, sie trank nur eine Tasse Kaffee, danach ging sie gleich zur Schule. Sie wollte mit ihrer Freundin darber reden, doch diese war heute krank. Emma seufzte ?Es wre wohl besser gewesen, ich wre im Bett geblieben? Schleppend zog sich der Vormittag hin. Endlich der Schlussgong, sie konnte nach Hause gehen. Heute wollte sie mit niemandem reden, sondern nur heim und sich im Bett verkriechen. Kaum hatte sie die Wohnungstre hinter sich geschlossen, klingelte das Telefon. Emma nahm den Hrer ab, ihr Herz machte einen Hpfer, es war Jan. Er erzhlte ihr, er htte jetzt dann frei, und auch die kommenden 2 Tage. ?Hast du es deiner Mutter schon gesagt?? wollte er wissen. Emma verneinte. ?Ich komm heut Nachmittag, dann machen wir das gemeinsam, ja?? liebevoll klang Jans Stimme. Sie freute sich sehr auf den Nachmittag, aber sie war auch traurig. Fast konnte man die Stunden, die sie sich sahen, an 2 Hnden abzhlen.

Emma bereitete den Kaffeetisch vor, als ihr Mutter nach Hause kam war sie gerade fertig. ?In einer halben Stunde kommt Jan?, erwiderte sie auf den fragenden Blick. Die Mutter nickte. ?Soll ich euch alleine lassen?? ?Nein, wir haben die etwas zu erzhlen?, mit diesem Satz machte Emma ihre Mutter neugierig. Pnktlich erschien Jan, als sie alle um den Tisch saen und die Mutter fragend von einem zum anderem blickte, war es Jan, der es erzhlte. Emmas Mutter war traurig fr ihre Tochter, freute sich aber fr Jan. ?Dieses Jahr wird schnell vorbergehen?, versuchte sie beide aufzumuntern. Jan zog ein Pckchen aus der Tasche und schon es Emma hin. ?Fr mich?? fragte diese erstaunt. Jan nickte.

Mit zittrigen Fingern ffnete Emma das Papier, es kam eine Schmuckdose zum Vorschein. Darin waren 2 silberne Ringe, jeweils mit Gravur von Namen und dem Tag des Kennenlernens. Emma war ganz berrascht und ihr schossen die Trnen in die Augen. Jan steckte ihr den Ring an, mit den Worten, sie sei seine groe Liebe, und er wrde auch in der ferne immer an sie denken. Auch ihre Mutter musste schlucken, und sie lie die beiden alleine. Als es schon dunkel war, verlie Jan die Wohnung, die Beiden hatten sich verabschiedet, denn am letzten Tag hatte er noch viel zu erledigen. Emma wusste nicht, sollte sie traurig oder glcklich sein. Am nchsten Tag schlief sie erstmal aus, denn es war Wochenende. Es war ungewohnt fr sie, den Tag ohne Jan zu verbringen. Jeden Tag wartete sie auf seinen Anruf, der meist zur gleichen Uhrzeit kam. Dann plauderten sie fast 2 Stunden, Jan erzhlte von seinem neuen Leben. Schnell verging die Zeit und fr Emma brach die Lehrzeit an. Es gab viel neues zu lernen, und so verging die Zeit schneller, als fr Beide erwartet. Langsam wurde der Telefonkontakt auch etwas weniger, nur noch einmal die Woche klingelte das Telefon. Bei letzten Telefonat erzhlten sich beide von den Wohnungswechseln, die anstanden. Emma und ihre Mutter zogen in ein Haus, damit jeder sein abgeschlossenes Reich hatte. Jan musste auch umziehen, da er von seinem Chef nach Indien geschickt wurde. Das hie, er wrde noch ein weiteres Jahr weg bleiben. Er wollte aber trotzdem probieren, einen Urlaub genehmigt zu bekommen.

Emma blieben durch Umzug und vieles lernen nicht viel Zeit. Ab und an ging sie mit ihrer Freundin Meli in die Stadt, mal ins Kino aber meistens verbrachte sie die Zeit mit lernen. Und immer fter in Gedanken versunken den Ring anschauend. Emma drehte ihn zwischen den Fingern und betrachtete die Gravur. Alles war so weit weg, die glckliche Zeit, die Umarmungen und die Ksse. Emma seufzte. Wie lange war das letzte Telefonat her? Mit Erschrecken stellte sie fest, sie wusste es gar nicht. Seit Jan in Indien war, hatten sie erst 2 mal miteinander gesprochen, und das war noch in der alten Wohnung. Emma stand auf und suchte ihr Adressbuch, sie wrde ihn anrufen, jetzt sofort. Entschlossen whlte sie seine Nummer. Doch, was war das? Hatte sie sich verwhlt? Es hie, die Nummer sei nicht zu erreichen...sie probierte es noch mal, wieder die gleiche Ansage. Grbelnd stand Emma vor dem Telefon, was sollte sie nun tun? Zgernd whlte sie die Nummer von Jans Chef, die hatte er ihr einmal gegeben. Fr Notflle hatte er gesagt. Es meldete sich die Sekretrin. ?Hallo, hier spricht Emma Strobel, die Verlobte von Jan Gebel. Ich habe probiert, ihn in Indien zu erreichen....??Frau Strobel? Was fr ein Glck das sie sich melden. Wir haben schon verzweifelt versucht, sie ausfindig zu machen? hrte sie die Stimme der Frau. Emma schluckte hart, auf einmal hatte sie einen Klo im Hals. ?Hallo? Frau Strobel, sind sie noch da?? Emma antwortete: ?Ja ja, bin ich. Was ist denn los??

?Die Sache ist die Frau Strobel, vor 3 Wochen war in Indien ein starkes Erdbeben. Der Ort, wo sich ihr Verlobter zu der Zeit aufhielt, wurde zerstrt. Da wir keine Rckmeldung von Herrn Gebel und seinem Kollegen erhielten, ist unser Chef letzte Woche selbst nach Indien geflogen um herauszufinden, was los ist. Leider war die Suche nach beiden bisher erfolglos. Es tut mir sehr leid fr sie. Hinterlassen sie mir doch bitte ihre Nummer, damit ich sie sofort benachrichtigen kann, wenn wir nheres wissen.? Mechanisch gab Emma ihre Nummer durch und legte auf. Dann sank sie auf den nahe stehenden Stuhl, sie war geschockt. Jan, was war nur mit Jan?

Die nchsten Tage konnte sich Emma nur schwer auf die Arbeit konzentrieren. Immer wieder schweiften ihr Gedanken zu Jan ab. Wenn nur ein Anruf von seinem Chef kme, oder von ihm selbst. ?So ein Mist, das ich Prfungen habe? murmelte Emma verrgert. Sie wrde sofort nach Indien reisen, ihr Mutter versuchte sie zu beruhigen, auch ihre Freundin sprach auf sie ein: ?Du kannst nicht alles hin schmeien, warte bis nach den Prfungen? Emma wusste, sie hatten ja recht, aber es viel ihr alles so schwer. Mhsam schleppte sie sich durch die Prfungen. Eigentlich war es ihr egal, wie sie abschneiden wrde...die wollte es nur hinter sich bringen. Als die Prfungen begannen, war Emma nicht aufgeregt, nein sie war nicht wirklich bei der Sache. Darum war sie auch kein bisschen aufgeregt, wie ihre Kolleginnen, die in einem fort nur quatschen und nervs an ihren Sachen rumzupften. Emma war genervt, genervt weil diese Prfungen sie davon abhielten nach Indien zu fliegen. So schrieb sie die Tests in ungewohnter schneller Art, berlegte nicht lange fllte nur aus und gab ab. Nicht einmal mehr durchgelesen hatte sie die Antworten.

Als die Prfungswoche endlich vorbei war, meldete sie sich noch mal bei Jans Chef. Doch diese konnten ihr leider nichts neues sagen. Betrbt legte Emma auf, denn sie hatten ihr abgeraten nach Indien zu fliegen, es sei noch zu unsicher, Nachbeben wurden noch fr lngere Zeit erwartet. Emma versuchte trotzdem einen Flug zu bekommen, aber keine Fluggesellschaft flog Passagiere nach Indien. Langsam war sie der Verzweiflung nahe.

 Ihre Mutter sprach beruhigend auf sie ein: ?Du wirst Bescheid bekommen, Jans Chef hat es dir persnlich versprochen? Emma nickte stumm, aber berzeugt war sie nicht. ?Hier sieh mal, das ist heute fr dich gekommen?, Emmas Mutter gab ihr einen groen weien Briefumschlag. ?Och, sicher eine Absage?, damit legte sie den Brief auf den Tisch. Noch mehr Negatives konnte sie heute nicht verkraften. Emma nahm sich eine Tasse Tee und verkroch sich in ihrem Zimmer, wie so oft in letzter Zeit. Grbelnd sah sie ihr Handy an...sollte sie, vielleicht bekam er ja ihre Nachricht irgendwann. Wobei, der Akku wrde sicherlich leer sein, nach der langen zeit...?Ach, was solls, ich versuch es? Emma tippte eine Sms an Jan, bevor sie auf abschicken ging, legte sie all ihre Hoffnungen und Gedanken in diesen Text. Vielleicht, irgendwann.......

Mit diesen Gedanken schlief Emma ein. Am nchsten Morgen war sie berraschender Weise gut gelaunt und bereit, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Es hatte keinen Sinn, trben Gedanken nachzuhngen, sie musste an die Zukunft denken, wenn es sein musste, dann auch ohne Jan. Zu dem Entschlu war sie letzte Nacht gekommen. Emma nahm den Brief vom Vortag in die Hand und ffnete ihn. Innerlich berzeugt, eine Absage bekommen zu haben, berflog sie den Brief nur....dann stutze sie :? Mama!!!? rief sie, ?komm schnell? Aufgeregt blickte sie ihrer Mutter entgegen, die im Morgenmantel aus der Schlafzimmertre kam.

?Ich hab einen Job, ich kann in 2 Wochen in einem Krankenhaus beginnen? jubelte sie. Emmas Mama umarmte ihre Tochter lange, endlich kam die von ihr gewnschte Ablenkung fr ihre Tochter. Glcklich sah sie in Emmas strahlendes Gesicht. Diese zog sie neben sich auf den Stuhl : ?Da, lies selber? und hielt ihr den Brief unter die Nase. Emmas Mutter las mit Begeisterung, doch dann legte sich ein Schatten ber ihr Gesicht. Emma sah ihre Mutter besorgt an :?Was ist los?? Dann las sie die Stelle, auf die ihre Mutter zeigte, es war ein Angebot in den USA, in einer Reha-Klinik.  Emma sank auf den Stuhl, das hatte sie wohl berlesen in ihrem Eifer.

Was nun?

Lange saen sie beisammen und redeten sich die Kpfe hei. So ein Angebot wrde sie nie mehr bekommen, das war sicher. Nur, konnte sie dahin gehen? Sie hatte ja noch nicht mal die Prfungsergebnisse....was, wenn diese schlecht waren? Konnte sie ihre Mutter alleine lassen? Sollte diese mitkommen? Bis spt in den Nachmittag ging diese Diskussion. Und sie kamen zu keinem Ergebnis. Emma beschloss erstmal Meli anzurufen, vielleicht konnte die ihr bei der Entscheidung zur Seite stehen und einen Rat geben. Nach einem langem Telefonat war sich Emma fast sicher, das sie diese Stelle annehmen sollte. So eine Gelegenheit wrde sich nicht noch einmal bieten.

Immer noch grbelnd lag Emma auf ihrem Bett, als ihre Mutter klopfte und ihr einen weiteren Brief hin hielt. Es waren die Prfungsergebnisse. Emmas Herz schlug bis zum Hals, als sie den Brief ffnete. Dann jubelte sie :?Mama, ich hab mit sehr gut bestanden?, mit diesem Worten fiel sie ihr um den Hals und tanzte durch die Wohnung. Emmas Mutter freute sich, aber sie wusste auch, nun wrde Emma das Angebot in den USA annehmen.

So war es auch, Emma begann mit den Vorbereitungen fr ihr Leben in einem fremden Land. Nachdem sie telefonisch dem Arbeitgeber zusagte, die ntigen Unterlagen gefaxt hatte, drehte sich alles nur noch um Amerika. Um das Leben, um die Sprache, um den neuen Wohnort. Da Emma eine Unterkunft nahe der Klinik gestellt bekam, musste sie nicht auf lange Wohnungssuche gehen. Allerdings war nun auch klar, das ihre Mutter sie nicht begleiten konnte, denn in einer 2 Zimmerwohnung wrde das niemals gut gehen. Ihre Mutter beteuerte immer wieder, es wrde ihr nichts ausmachen, aber Emma sprte, das es ihr sehr wohl zu schaffen machte. Doch, sie hatte sich nun zu diesem Schritt entschlossen und war auch gewillt, ein neues Leben anzufangen. Nachdem sie des fteren mit Jans Chef gesprochen hatte, und es immer noch kein Lebenszeichen von ihm gab, hatten alle die Hoffnung aufgegeben. Emma betonte zwar immer: ? ich weiss, er ist noch am Leben? aber so richtig dran glauben, konnte sie selbst nicht mehr. In vielen durchweinten Nchten hatte sie innerlich Abschied genommen, Abschied von dem Menschen, der ihrem Herzen am nchsten stand und mit dem sie eine sehr glckliche Zeit verbracht hatte. Sie wrde Jan nie vergessen knnen, und etwas Hoffnung befand sich trotz allem noch in ihrem Herzen.

Nachdem alles geklrt war, alle Sachen gepackt waren, stand nun der Tag der Abreise an. Emma und ihre Mutter machten noch ein letztes gemeinsames Frhstck, zu dem auch noch Emmas Freundin Meli sich gesellte. Es war eine frhliche Runde, wenn auch mit etwas Abschiedsschmerz gemischt. Schlielich klingelte der Taxifahrer, Emma wollte alleine zum Flughafen. Der Abschied fiel kurz aus, was fr alle Beteiligten besser war. Emma hatte auf den Weg zum Flughafen Herzklopfen, das sich noch verstrkte, als sie in der Maschine sa. Wie wrde das Leben werden, in einem so fremden Land?

 

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                             Schicksal, die Fortsetzung

 

Emma hatte sich in ihrer neuen Heimat schnell eingelebt. Ab und an bereitete die Sprache ihr einige Probleme, aber sie lernte schnell. In der Reha -Klinik  war sie freundlich aufgenommen worden, und sie hatte auch schon ein paar nette Freundinnen gefunden. Am, liebsten verbrachte sie ihre Zeit mit Shannon, zu der sie von Anfang an einen guten Draht hatte. Die Arbeit in der Klinik machte ihr viel Spa und Freude, vor allem war es sehr abwechslungsreich. Auch mit ihrem Chef, Herrn Winter, hatte sie ein sehr gutes Verhltnis, er hatte ihr von Anfang an geholfen, sich in der doch sehr groen Klinik zu recht zu finden. Alles in allem war sie sehr froh, den Schritt gewagt zu haben, nach Amerika zu gehen. Ihre Mutter war natrlich neugierig gewesen, und hatte es sich nicht nehmen lassen, Emma in der neuen Stadt zu besuchen. Sie hatten einige schne Tage miteinander verbracht, und die Mutter war beruhigt  wieder nach Hause geflogen.

Natrlich war beim Besuch der Mutter auch das Thema Jan angesprochen worden. Nachdem Emma nun wieder alleine war, drehten sich auch ihre Gedanken wieder fter um ihn. Leider hatte auch Jans Chef nichts Neues erfahren, und so tappten sie immer noch alle im Dunkeln. Emma seufzte schwer. Wo er nur war? Wie es ihm ging? Ach, sie wrde alles dafr geben, es zu wissen.

Das Klopfen an ihrer Tre riss sie aus den Gedanken. Shannon war da, sie wollten heute einen Nachmittag am Meer verbringen. ? Ich komme? rief Emma, nahm ihre Tasche und lief schnell hinaus und hpfte ins Auto. Shannon plauderte vergngt und unbeschwert vor sich hin, whrend sie durch die vollen Strassen fuhren. Emma hingegen war ganz abwesend, und hrte nur halb zu. So entging ihr auch, dass die Freundin sie prfend von der Seite aus ansah. Shannon machte sich Sorgen, sollte Emma das Heimweh plagen? Sie war so verndert, seit ihre Mutter weg war. Shannon konnte das verstehen, sie hatte Emmas Mutter kennen gelernt, und war begeistert von dieser freundlichen Frau. Und eigentlich war der Ausflug Shannons Vorschlag gewesen, um Emma etwas abzulenken, die ihr in der letzten Zeit etwas zu ernst erschien. Shannon war sich unsicher, sie wusste nicht, ob sie Emma drauf ansprechen sollte, oder lieber so tun sollte, als wie wenn sie nichts bemerken wrde. Und genau das wollte sie heute Nachmittag herausfinden.

Aus diesem Grund hatte sie auch eine relativ sprlich besuchte Bucht ausgewhlt, in der es sich nun die beiden Freundinnen gemtlich machten. Gemeinsam genossen sie die Sonne und die Ruhe, die dieser ort ausstrahlte. Ab und an beobachtete Shannon ihre Freundin aus den Augenwinkeln. Sie bemerkte sehr wohl, dass diese etwas belastete.

Emma war in Gedanken vertieft, und diese drehten sich um Jan. Sie wnschte sich so sehr, etwas ber sein jetziges Leben zu erfahren. Sie schrak etwas zusammen, als Shannon ihre Gedanken strte: ?Emma, darf ich dich mal was fragen??  Emma blickte etwas verwirrt zu ihrer Freundin hinber und nickte. Shannon wusste nun nicht wirklich, wie sie beginnen sollte. Sollte sie gleich direkt fragen, was los war? Prfend blickte sie noch mal in Emmas Gesicht, und entschloss sich dann, ihr direkt zu sagen, dass sie sich Sorgen machte.

In Emmas Gesicht zeichnete sich Erstaunen ab, sie hatte nicht gewusst, dass es so offensichtlich war, das sie was belastet. Nun musste sie schwer schlucken, denn die Trnen stiegen ihr in die Augen. Shannon erschrak, das hatte sie nicht gewollt. Schnell nahm sie die Freundin in den Arm und drckte sie fest. Auf einmal brach alles aus Emma heraus, sie redete sich alles von der Seele und musste feststellen, je mehr sie erzhlte, desto leichter wurde ihr ums Herz. Sie erzhlte von ihrem Glck und ihren Plnen, von ihren ngsten und Sorgen und vom Verschwinden Jans. Shannon wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, das war alles so viel auf einmal und sehr verwirrend. Sie wunderte sich, wie Emma das die ganze Zeit ausgehalten hatte, ohne darber zu reden. Als Emma sich etwas beruhigt hatte, sah sie verschmt zu Shannon hin, was mochte diese nun denken? Doch ihre Sorge war unbegrndet, Shannon blickte ihr tief in die Augen und sagte: ? Ich werde dir helfen, Jan zu finden. Oder wenigstens, was mit ihm passiert ist. Das verspreche ich dir?

Lange saen die Freundinnen noch am Strand und redeten ber Emmas Vergangenheit. Die Sterne standen schon am Himmel, als sie alles zusammen packten, und sie sich auf den Heimweg machten. Beide waren sehr mit den eigenen Gedanken und Gefhlen beschftigt, so war es eine schweigsame Fahrt durch die mittlerweile leeren Strassen. Als Shannon vor Emmas Haus hielt, sahen sie sich an und gleichzeitig sagten Beide:? Danke.? Eine dafr, das sie sich alles vom Herzen reden konnte, und die andere fr das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wurde.

Emma ging langsam in ihre Wohnung und legte sich nachdenklich auf ihr Bett. Irgendwie war die Hoffnung wieder da, die Hoffnung Jan zu finden.

Die nchsten Tage waren sehr stressig in der Klinik, es kamen stndig neue Patienten und die Anfragen fr die nchsten Monate stiegen weiter an. Emma und Shannon konnten dadurch sehr wenig Zeit miteinander verbringen. Sie sahen sich gerade mal in den Pausen und da redeten sie natrlich ber ihre Patienten.

Eines Nachmittags, Emma sa gerade in der Klinikkantine, strmte Shannon durch die Tre und war ganz aufgeregt. ?Los, komm mit. Ich hab nicht viel Zeit, aber es ist wichtig.? Emma war so verblfft, das sie ohne Zgern aufstand und der Freundin folgte. berrascht bemerkte sie, dass sie den Weg in das Bro der Klinikchefs nahmen. Noch bevor Emma etwas sagen konnte, ffnete Shannon die Tre und zog sie einfach hinter sich her.

Herr Winter wartete schon auf die Beiden. Emma war etwas auer Atem und konnte sich so rein gar nichts zusammenreimen, was denn los sei. Hektisch grbelte sie, ob sie etwas falsch gemacht habe, aber ihr wollte nichts einfallen. Unsicher sah sie ihren Chef an.

Doch auch sein Blick lie nicht erahnen, was denn so wichtig sei. Emma wurde unruhig, sie wollte wissen, was hier vor sich ging. Herr Winter schob ihr einen Stuhl hin und Shannon nahm sich den anderen und setzte sich neben Emma. Diese war vollkommen verwirrt, sie konnte diese Situation nicht einschtzen. Dann begann ihr Chef zu reden, gespannt hrte sie ihm zu. Auf einmal berschlugen sich ihre Gedanken und Gefhle, es fiel Jans Name. Nun war sie so aufgeregt, dass sie nur noch die Hlfte verstand. Hilflos blickte sie zu Shannon, die ihr auch prompt zur Hilfe eilte, und alles bersetzte. Emma sprte, wie sie blass wurde, alles Blut wich aus ihrem Gesicht. Das konnte doch nicht sein? War es wirklich wahr? War Jan hier? Hier in der Klinik? Alles um sie herum begann sich zu drehen und sie hielt sich krampfhaft am Stuhl fest. Ihr Chef sah sie besorgt an, stand auf und fhrte sie zu einer Liege, die in seinem Bro stand. Er bestand darauf, sie musste sich hinlegen.

Emma zitterte am ganzen Krper und sie begann zu weinen. Das war alles zuviel. Seit Ewigkeiten suchte sie nach Jan, und nun sollte er hier sein? So nahe bei ihr? Emma bekam nicht mit, dass sie eine Beruhigungsspritze bekam, sie glitt langsam in einen tiefen Schlaf hinber.

Als Emma erwachte, war es schon dunkel. Die Schreibtischlampe spendete warmes Licht, das nicht blendete. Wo war sie? Langsam kam die Erinnerung wieder und sie setzte sich vorsichtig auf. Da sa Herr Winter, der sie mit viel Wrme in den Augen ansah. Und auch Shannon war neben ihr und blickte sie besorgt an.

?Darf ich ihn sehen?? mit banger Stimme kam Emmas leise Frage. ?Auf diese Frage haben wir schon gewartet.? Erwiderte Emmas Chef mit besorgter Stimme. Shannon erklrte ihr, das Jans Zustand nicht der beste wre und auch sein Aussehen sie wahrscheinlich sehr erschrecken wrde. Emma rutschte von der Liege und ein entschlossener Ausdruck lag auf ihrem Gesicht. Sie wrde sich von nichts und niemandem davon abhalten lassen, Jan zu sehen. Nach all der langen Zeit wrde das keiner schaffen. Sie wollte zu ihm, sich vergewissern das es auch wirklich Jan sei. Ihr Chef erkannte, dass sie davon nicht abzubringen war. Aber er bestand darauf, dass sie nicht alleine gehen sollte, und so gingen sie zu Dritt in Richtung Jan.

Emmas Herz schlug bis zum Hals. Da sprte sie, wie ihre Freundin sie an der Hand fasste und diese beruhigend drckte. Endlich blieb Herr Winter vor einer Tre stehen und sein Blick sucht Emmas Augen. Diese schluckt noch einmal trocken und nickt dann, Shannons Hand fest in ihrer. Ihr Chef ffnet langsam die Tre und Emma trat leise in das abgedunkelte Zimmer. Sie konnte nicht viel erkennen vor lauter Verbnden, Schluchen und Kabeln. Unsicher blickte sie ihre Freundin an, diese nickte kaum merklich und schon Emma etwas nher ans Bett. Da bewegte sich der Mann leicht und ffnete die Augen. Er sah ihr direkt ins Gesicht und man konnte das Staunen in seinem Blick erkennen. ?Jan!!!? Emma schrie leise auf. Das war Jan, ihr Jan. Wirklich und wahrhaftig lag Jan in diesem Bett. Sie lie Shannons Hand aus und rannte fast zum Bett. Die Blicke beider versanken ineinander und die Augen fllten sich mit Trnen. Sie liefen Emma nur so ber das Gesicht, doch das bemerkte sie nicht. Zu sehr war sie damit beschftigt zu begreifen, dass es wirklich Jan war, der da vor ihr lag.

?Emma?? Jans Stimme war ganz heiser und kaum zu vernehmen. Aber es war der schnste Klang, den Emma jemals gehrt hatte. Sie beugte sich ber ihn und wischte ihm die Trnen ab. ?Ja, ich bin da Jan. Ich hab dich endlich wieder.? Emma konnte sehen, wie das Glck aus seinen Augen strahlte. ?Ich komme gleich wieder, ja?? leise sprach Emma zu ihm. Kaum merklich nickte er und schloss die Augen. Das war alles etwas viel fr ihn, er brauchte dringend Ruhe.

Leise trat Emma aus dem Raum, sie konnte es noch immer nicht fassen. Endlich, endlich war Jan gefunden. Diese Ungewissheit hatte ein Ende. Sie kam sich vor wie in einem Traum. Egal wie schlimm es um Jan stand, er lebte. Sie machte sich auf den Weg in Herrn Winters Bro. Sie musste wissen, wie es um Jan stand. Ihr Chef hatte sie anscheinend schon erwartet, denn es stand eine Tasse mit frischem, starkem Kaffee auf seinem Schreibtisch. Emma lie sich auf den Stuhl sinken, sie war erschpft, das war alles etwas viel gewesen. Herr Winter berichtete, dass eine Rettungsmannschaft Jan erst vor wenigen Tagen aus einem zusammen gestrzten Haus gerettet hatte. Anscheinend war er dem starken Erdbeben entgangen und hatte sich im Keller eines Hauses versteckt. Als er den schtzenden Raum verlie, setzte ein heftiges Nachbeben ein, und das Gebude brach ber ihm zusammen. Laut Angaben der Rettungsmannschaft musste er wohl fast 11 Tage verschttet gewesen sein. Emma schluckte und sprte wieder, wie die Trnen in ihre Augen stiegen. Herr Winter nahm beruhigend ihre Hand und versicherte ihr, das er nicht schwer verletzt sein, er war nur stark geschwcht und seine Augen mussten sich erst wieder an Licht gewhnen. Darum auch der abgedunkelte Raum.  Fr Emma war es noch ein Rtsel, wie Jan aus Indien hier in diese Klinik nach Amerika gekommen war, und genau das sagte sie auch ihrem Chef. Da glitt ein Lcheln ber sein Gesicht, und er erzhlte ihr, das Shannon vor ein paar Tagen zu ihm kam, weil sie sich Sorgen um Emma gemacht hatte. Irgendwie hatte Shannon gesprt, das diese Ungewissheit Emma so belastete, dass sogar die Nachricht ber den Tod von Jan ihr geholfen htte. Sie hatten zusammen gesessen und lange berlegt, wie man Emma helfen konnte. Herr Winter hatte viele Beziehungen in die meisten Kliniken der ganzen Welt, und hatte etliche Anfragen an alle gesendet, mit der Hoffnung etwas heraus zu finden. Als Shannon und er schon aufgeben wollten, kam das erlsende Fax aus einer kleinen Klinik in Indien. Dort war ein  Deutscher, auf den die Beschreibung genau passte, die Herr Winter durchgegeben hatte. Sofort wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt und Jan wurde hierher geflogen. Emma konnte es nicht glauben, und schon wieder sprte sie, wie sie den Trnen nahe war. Sie wollte ihrem Chef danken, ihm erklren, was er fr sie getan hatte, aber sie brachte nur ein leises ?Danke? ber die Lippen. Sie war viel zu ergriffen von seiner und Shannons Hilfsbereitschaft, als das sie das alles in Worte fassen konnte. Aber Herr Winter konnte sie auch so verstehen und schenkte ihr ein beruhigendes Lcheln. Dann erklrte er ihr, dass er sie zu Jans persnlicher Pflegerin ernannt hatte. Mit einem verschmitztem Lcheln sagte er: ? Sie werden sicher alles daran setzen, das es ihrem Freund bald besser geht. Allerdings erwarte ich jede Woche einen ausfhrlichen Bericht.?  Emma sprang auf, rannte um den Schreibtisch und fiel ihrem Chef um den Hals. Trnen der Freude strmten aus ihren Augen, denn sie hatte schon befrchtet, fast keine Zeit mit Jan verbringen zu knnen. Herr Winter drckte sie kurz an sich, dann schob er sie etwas weg und reichte ihr ein Taschentuch. Ihm war das alles etwas peinlich.

Er bemhte sich um eine energische Miene, und reichte Emma das Telefon. ?Rufen sie in Deutschland an, und sagen sie dort Bescheid, dass Jan am Leben ist. Schlielich haben sie dort Familie, die sich auch all die Zeit Sorgen gemacht haben. Nehmen sie sich dafr soviel Zeit, wie sie brauchen.? Mit diesen Worten verlie er sein Bro und schloss leise die Tre.

Emma kam berglcklich der Aufforderung nach. Nachdem sie die freudige Nachricht ihrer Mutter und Jans Chef mitgeteilt hatte, machte sie sich auf den Weg  Shannon zu suchen. Sie musste ihr danken, fr die Mhe die sie sich gemacht hatte. Sie fand Shannon in der Kantine der Klink. Leise schlich sie sich von hinten an und umarmte die Freundin heftig. Diese erschrak etwas, freute sich dann aber und gestand Emma, dass sie etwas Angst gehabt htte vor ihrer Reaktion. Schlielich hatte sie ja mit dem Chef ber eine sehr persnliche Sache gesprochen. Emma drckte die Freundin noch einmal fest und nahm dann gegenber auf dem Stuhl platz. Sie versicherte ihr:? Nein, ich bin dir nicht bse, wie knnte ich auch. Ich bin berglcklich!? Dann berichtete sie von Herrn Winters Entschluss, sie solle fr Jan da sein und seine Pflege bernehmen. ? Und wenn er wieder gesund ist, gehen wir alle vier ganz gro essen!? Emma strahlte ber das ganze Gesicht. ?So, nun muss ich aber zu Jan. ich muss ihn sehen, denn so ganz glauben kann ich es noch nicht wirklich.?  Shannon lachte verstndnisvoll und drckte die Freundin kurz an sich.

Als Emma etwas atemlos in Jans Zimmer trat, wurde sie schon sehnschtig erwartet. Jan lag wartend in seinem Bett und freute sich sehr darauf, sie bei sich zu haben. Emma wusste, er durfte nicht viel sprechen, und so begann sie, ihre Geschichte zu erzhlen. Wie sie hier in diese Klinik kam, wie es ihrer Mutter ging, ber den Kontakt zu seinem Chef, ihrer Angst um ihn und um das Wissen, es sei noch am Leben. Jan nahm ihre Hand in seine und bemerkte den Ring, den sie noch immer trug. ? Ich habe ihn auch immer getragen? sagte er mit heiserer Stimme und zeigte ihr seine linke Hand. Emma war glcklich, er hatte sie nie vergessen. ? Ich liebe dich? flsterte sie und beugte sich fr einen langen Kuss ber ihn.

Obwohl ja Handys in der Klinik verboten waren, bat Jan Emma darum, es ihm zu geben. Sie war etwas verwundert, holte es aber aus seinem Schub und reichte es ihm. Als sie das Handy sah, erschrak sie. Denn es war so kaputt, das sie sich wunderte, wie das noch funktionieren sollte. ?Ich hatte es immer bei mir, als ich deine letzte SMS bekommen habe, ging kurz darauf der Akku aus. Aber ich habe immer an diese Worte denken mssen, sie haben mich am Leben erhalten? Er schaltete es ein und da waren sie gespeichert, diese Worte in denen sie all ihre Liebe und Hoffnung gelegt hatte:

Liebster Jan, ich bin in Gedanken immer bei dir. Ich werde dich nicht vergessen und ich wei, du bist noch am Leben. Irgendwann werden wir uns wieder finden, ich warte auf diesen Augenblick. Du fehlst mir sehr. Ich liebe dich, deine Emma.

Beide hatten Trnen in den Augen als sie sich ansahen. In diesem Blick lag diese unendliche Liebe, die Beide fr einander empfanden. Emma wollte Jan neben sich spren und kroch vorsichtig neben ihn unter die Decke. Das Gefhl der Nhe hatte sie lange vermisst. Eng aneinander liegend schliefen Beide ein. Als Herr Winter und Shannon ihre Abendrunde durch die Klinik machten, fanden sie beide so vor. Es war ein Anblick, der ihre Herzen rhrte, auch wenn sie wussten, es war noch viel zu tun, damit Jan wieder unbeschwert durchs Leben gehen konnte. Aber irgendwie wussten sie auch, dass Jan es schaffen wrde.

Nachdem ein gutes halbes Jahr vergangen war, stand Jans Entlassung kurz bevor. Fr alle Beteiligten, die mittlerweile gute Freunde geworden waren, war es eine Freude zu sehen, das dieses Unglck an Jan vorbergegangen war, und er sein Leben wieder wie vorher leben konnte. Emma war inzwischen eine leitende Angestellte geworden, denn trotz ihrer aufwendigen Arbeit mit Jan hatte sie ihre anderen Aufgaben nicht vernachlssigt und es geschafft, alles unter einen Hut zu bekommen. Herr Winter war sehr stolz auf Emmas Einsatz und Arbeitswillen. Er schtzte Emma sehr, und bedauerte es, dass sie nun nach Deutschland zurckgehen wrde.

Emma hatte ihr versprechen nicht vergessen, das sie Shannon in der Kantine gegeben hatte, und an Jans Entlassungstag gingen sie alle vier essen. Emma hatte einen Tisch in einem gemtlichen Lokal bestellt und es war eine frhliche Runde. Emma bemerkte aber trotz allem den wehmtigen Blick ihres Chefs, und konnte sich ein leichtes Lcheln nicht verkneifen. Als Shannon nach ihren Zukunftsplnen fragte, legte sich ein Schatten ber Herrn Winters Gesicht. Emma und Jan blickten sich lchelnd an, gaben sich einen Kuss und gaben ihre Hochzeitsplne bekannt. ?Wann werdet ihr denn fliegen?? wollte Herr Winter wissen. ?Fliegen? Wieso? Wir haben nur einen Flug gebucht?, antwortete Emma verschmitzt. Shannon und Herr Winter wechselten einen berraschten Blick. ?Und dieser Flug geht von Deutschland aus hierher?, warf Jan lachend ein. Nun waren die anderen komplett verwirrt.

Emma klrte die Situation auf: ? Ja, meine Mutter kommt hierher, schlielich mchte sie bei unserer Hochzeit nicht fehlen. Und wenn es mglich ist, wrde ich gerne weiter in der Klinik arbeiten. Natrlich nur, wenn sie weiterhin eine Stelle fr mich haben.? Sie warf einen Blick zu ihrem Chef und konnte sehen, dass ihm vor berraschung der Mund offen stand. Jan ergnzte: ? Ja, wir Beide fhlen uns hier sehr wohl, sie haben uns so viel geholfen. Wir vier sind ja fast wie eine Familie. Ich werde mich hier nach einer Arbeit umsehen, wir wrden gerne unser Leben hier verbringen.?

Shannon jubelte und umarmte Beide vor Freude. Auch sie hatte Angst gehabt, Emma aus den Augen zu verlieren. Herr Winter sagte gar nichts, aber man konnte beobachten, dass er sich verstohlen eine Trne aus den Augen wischte. Schnell versicherte er Emma, das sie natrlich bei ihm in der Klinik bleiben konnte, und zwar solange sie wollte.

Den Rest des Abends schmiedeten alle Zukunftsplne und waren sehr glcklich. Herr Winter, der an diesem Abend zu Patrick wurde, lie es sich nicht nehmen und versprach, er wrde die Hochzeitsplanungen bernehmen. Es solle ja schlielich der schnste Tag in ihrem Leben werden. Emma und Jan waren sehr gerhrt und umarmten Patrick.

Es wurde eine aufregende und schne Zeit bis zur Hochzeit, vor allem da Emmas Mutter nun schon seit ein paar Wochen auch hier war und an den Vorbereitungen teilnehmen konnte.

Und immer fter konnten Jan und Emma beobachten, dass Patrick und ihre Mutter sich sehr gut verstanden. Es wurden viele heimliche Blicke und Gesten ausgetauscht. Emma und Jan sahen sich lchelnd an, Glck war eben manchmal ansteckend.

 

 

ENDE

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                     Die Wahrheit bei Sonnenuntergang

 

Langsam ging die Sonne unter und das Abendrot spiegelte sich im Meer. Langsam konnte man auch die funkelnden Sterne am Himmel erkennen.

Eva blickte aus dem Fenster ihres kleinen Huschens und beschloss, noch einen Spaziergang zu unternehmen. Ob sie eine Jacke brauchen wrde? Vorsichtshalber nahm die die schwarze Strickjacke und band sie sich um die Hften. Nach dem zusperren steckte sie den Schlssel in die braune, gehkelte Umhngetasche, die sie sich erst vor 2 Tagen auf dem Markt im Dorf gekauft hatte.

Langsam schlenderte sie in Richtung Strand, die Luft war angenehm warm und sie genoss den Blick in den sternenklaren Himmel. Richtig heimisch fhlte sie sich hier, obwohl sie erst von 10 Tagen auf der Insel angekommen war.

Eva entdeckte einen greren Stein am Meeresufer und setzte sich. Das Wasser umspielte ihre Fe, schnell zog sie die flachen Slipper aus und genoss das khle Wasser. Nachdenklich blickte sie in den dunklen Nachthimmel. Ewig konnte sie sich hier nicht verkriechen, das war ihr klar. Aber etwas Ruhe brauchte sie noch.

Hals ber Kopf hatte sie vor zwei Wochen Deutschland verlassen. Der Streit mit Gregor war einfach zu heftig gewesen. Die Probleme nahmen berhand, und sie wusste weder aus noch ein. Stndig diese Streitereien, die Schuldzuweisungen und das ewige Misstrauen.  Eva seufzte schwer. Was sollte nur aus ihnen werden? Einen klaren Gedanken an die Zukunft hatte sie nicht. Dabei war noch vor einigen Wochen alles so perfekt geplant gewesen: Sie wollten ein Haus kaufen, ein Kind und das Leben genieen. Doch dann kam alles anders. Gregor verlor den Job, womit er berhaupt nicht klar kam. Die Kanzlei in der er Teilhaber war, ging  bankrott, es waren viele Schulden da und das neu gekaufte Haus wurde versteigert. Die Wohnung die sie gefunden hatten war klein und wies allerlei Mngel auf.

Htte Gregor sich nur mehr um die finanziellen Angelegenheiten in der Firma gekmmert, htte er die Buchhalter nur ab und an berprft. Alleine mit ihrem Einkommen als Sekretrin konnten sie diese Schulden niemals abtragen, und sich ein neues, sorgenfreies Leben aufbauen.

Gregor kam mit dieser Situation genauso wenig zurecht. Er trank immer mehr, war unzufrieden und einfach unausstehlich. Auch hatte er keinen Elan, etwas Neues zu beginnen, geschweige denn die vorhandenen Probleme zu lsen. Er hatte aufgegeben. Sich und ihr gemeinsames Leben.

Damit konnte Eva nicht umgehen, das war sie nicht gewohnt. Bisher war er souvern gewesen, hatte alles geregelt und nun war er in gewisser Weise hilflos. Er hatte die Kontrolle verloren. Doch, wie sollte sie ihm helfen? Sie konnte seine Blicke nicht ertragen, wenn sie zur Arbeit ging. Wenn sie auch Hause kam, lag er auf dem Sofa und das Geschirr stapelte sich auf dem Tisch. Ein Gesprch war nicht mglich, weil er meist schon angetrunken war. Und wenn es doch mal zu einem Gesprch kam, endete dieses jh im Streit.

Sie hatte das Angebot ihrer Firma angenommen und war auf einen ganztags Job gewechselt.

Manchmal nahm sie auch die Auftrge mit nach Hause, Gregor nahm ihr das furchtbar bel. Dabei machte sie das ja nur, um finanziell etwas beizusteuern. Aber das sah er nicht so, er konnte es nicht verkraften das sie im Berufsleben stand und er nicht.

Wie sollte das alles nur enden? Traurig starrte Eva in den Himmel. Wo waren nur alle ihre Trume und Plne geblieben?

Sie kam sich so einsam und  verloren vor.

Mit einem Male frstelte sie, warum war es nur so khl geworden? Ein Blick zur Uhr sagte ihr, dass es schon weit nach Mitternacht war. Eva schlpfte in ihre Jacke, nahm die Schuhe in die Hand und machte sich langsam auf den Rckweg.

Am nchsten Morgen wurde sie durch Sonnenstrahlen geweckt, die sie in der Nase kitzelten. Eva sah sich verschlafen um. Anscheinend war es schon spter Vormittag. Sie streckte sich gemtlich aus, als sie ein Kratzen an der Tre wahrnahm. Verwundert lauschte sie, aber es war eindeutig ein Kratzen und ein leises Miauen zu hren. Rasch sprang sie aus dem Bett, streife den Morgenmantel ber und lief zur Tre. Als sie diese ffnete tapste eine kleine Katze sehr selbstbewusst in ihr Haus. Verblfft schaute Eva ihr hinterher. Das kleine Ding sah sich um und steuerte zielstrebig Evas Bett an, ein Satz und schon lag sie mitten auf dem Kopfkissen. Dort legte sie den Kopf auf die Pfoten und schlief ein.

Eva schttelte den Kopf, lachte und ging erstmal ins Bad. Als Eva mit dem Frhstcksgeschirr klapperte, ffnete die Katze die Augen. Wie selbstverstndlich sprang sie auf den Stuhl neben Eva und blickte sie erwartungsvoll an. Gegen ihren Willen musste Eva wieder lachen, so ein kleines Ktzchen und schon so zielstrebig. Sie stellte der Katze einen kleinen Teller mit Wurst auf den Boden und beobachtete amsiert wie sie zu fressen begann. Nachdem die Katze satt war, sprang sie auf Eva`s  Scho und schmiegte sich an sie. Zufrieden schnurrte sie, und Eva hatte Gelegenheit sich das Ktzchen genauer anzusehen. Dabei entdeckte sie zwei eitrige Wunden an den Pfoten.

Auch war die Kleine sehr mager. Eva beschloss, erstmal den Tierarzt der Insel zu besuchen und die Katze versorgen zu lassen. Mal sehen, vielleicht gehrte sie ja auch jemand, und der machte sich groe Sorgen. Die Kleine wurde in einem kuschelig ausgelegten Einkaufskorb untergebracht, und dieser wurde sicher auf dem Beifahrersitz befestigt.

Eva musste in der Praxis noch etwas warten, und hatte Zeit sich umzusehen. Anstatt einer Vermisstenanzeige entdeckte sie viele Zettel, auf der zahllose Katzen und Hunde abzugeben waren. Endlich war sie an der Reihe, und eine nette Tierrztin kmmerte sich um die Katze. Eva kam mit ihr ins Gesprch, und erfuhr dass all die Tiere, wenn sie kein Zuhause finden wrden, wohl eingeschlfert wrden. Im besten Fall, wie die rztin meinte. Auf Eva`s Nachfrage meinte sie, es wrden auch zahlreiche einfach erschlagen oder ausgesetzt.

Ein Tierheim oder eine Auffangs-Station gab es auf der Insel nicht. Den Einheimischen war es zuviel ihre Tiere kastrieren zu lassen, oder sie aufs Festland ins Tierheim zu bringen.

Eva verlie grbelnd und auch etwas schockiert die Praxis. Nachdem sie noch Nahrung, Zubehr und Medikamente fr die Katze geholt hatte, fhr sie nachdenklich nach Hause.

Sie hatte das Gefhl, handeln zu mssen.

Nachdem sie Hope, so hatte sie die Katze getauft, versorgt hatte nahm sie ein Heft und setzte sich an den Tisch. Rasch fllte sich eine Seite nach der anderen und Eva wurde erst aufgeschreckt, als Hope ihr um die Beine strich und sie lautstark ihr Recht auf Fressen kund tat. Dieser Bitte kam Eva natrlich nach, fllte den Napf und versorgte ihre Wunde. Als sie sich wieder ber ihr Heft beugte, lag Hope auf ihrem Scho und schnurrte zufrieden.

Es wurde eine lange Nacht fr Eva und am nchsten Tag schaltete sie das erste Mal seit drei Wochen ihr Handy an. Ihre Mobilbox ignorierend, rief sie bei der netten Tierrztin an und dann folgte ein sehr langes Gesprch. Als sie auflegte, hatte Eva ihren Entschluss gefasst. Sie wrde ihr altes Leben beenden und komplett neu anfangen.

Auf ihrer Mobilbox waren einige Nachrichten, aber keine von Gregor. Komisch, das war sonst nicht seine Art. Eva machte sich Sorgen, aber sie wollte diesmal nicht den ersten Schritt tun, das hatte sie sich fest vorgenommen. Er musste sein Leben wieder in den Griff bekommen, ansonsten …… Eva wollte nicht weiter denken.

Sie fhrte noch einige Telefonate und machte dann einen langen Spaziergang am Strand. An „ihrem“ Stein machte sie Halt und hielt die Fe ins Wasser.

Diesmal blickte sie hoffnungsvoll in den sternenklaren Himmel, und als eine Sternschnuppe am Himmel sehen zu war, schickte sie ihren Wunsch Richtung Himmel.

Mit einem Lcheln auf den Lippen machte sie sich auf den Heimweg.

Die nchsten Tage waren mit Arbeit und vielen Telefonaten gefllt. Die Zeit verging wie im Fluge, am Haus wurde gearbeitet und Fortschritte waren schon zu sehen. Ein stabiler Zaun grenzte das Grundstck ab, im Garten hinter dem Haus entstanden gerumige Boxen. Ein Freilauf war auch schon abgetrennt und viele Freiwillige bemalten gerade die Wnde mit frischen Farben. Eva war berrascht ber die Hilfsbereitschaft der Nachbarn und Inselbewohner. Jeder wollte etwas beisteuern.

Nur selten dachte sie an Gregor. Aber wenn sie daran dachte, hatte sie fast ein schlechtes Gewissen. Schlielich hatte sie ihn verlassen, ihn einfach zurck gelassen mit all seinen Problemen. Wenn sie sein Bild ansah, sprte sie die Sehnsucht nach seiner Nhe. Sie wollte so gerne mal wieder seine Stimme hren, sich mit ihm unterhalten ihn einfach spren. Je lnger die Trennung dauerte, desto mehr sprte sie die Liebe zu ihm.

Aber Eva wollte ihm nicht nachlaufen, sie wollte dass er sein Leben in den Griff bekam, das er seine Selbstsicherheit wieder fand und seine Sachen ordnete.

Ab und zu telefonierte sie mit ihrer Freundin, da es eine gemeinsame Bekannte war erfuhr sie auch immer einige Details ber sein Leben. Traurig stimmte sie nur, dass er niemals nach ihr fragte.

Doch in ihrem neuen Leben war nicht viel Platz fr Traurigkeit. Stndig war etwas zu tun, die Auffang-Station kam ins Laufen. Der freundlichen Tierrztin hatte sie zu verdanken, dass sie ein Spendenkonto erffnen konnte. Alles lief perfekt.

Abends ging Eva immer wieder zu ihrem Lieblingsplatz. Dann sa sie auf dem Stein und lie ihren Gedanken freien Lauf. Hope war meistens mit dabei, eigentlich war sie mehr Hund als Katze und folgte Eva auch Schritt und Tritt. Oft verbrachten Beide fast die ganze Nacht am Meer. Eva liebte die Abendstimmung am Meer, alles war ruhig und friedlich. Hier schpfte sie auch die Kraft fr die Anstrengung des nchsten Tages.

Der Tag begann fr Eva meist schon vor Sonnenaufgang. Die Tiere wollten versorgt und die Stlle geputzt werden. Ab und an stand dann die Fahrt zur Tierrztin an, da die meisten Tiere krank waren wenn sie zu ihr kamen. Oft kam die rztin aber auch zu ihr, mit der Zeit hatte sich eine gute Freundschaft entwickelt. An manchen Abenden ging Laura, die Tierrztin, mit an den Strand. Dann nahmen sie oft eine Flasche Wein mit und sie unterhielten sich die ganze Nacht. So blieb nicht aus, dass Laura auch Stck fr Stck ber Evas vergangenes Leben Bescheid wusste. Sie merkte wie gro der Stellenwert von Gregor in Evas Leben doch war. Auch wenn diese sich das nicht eingestehen wollte.

Eva war nun schon fast ein Jahr auf der Insel. Die Station lief perfekt, fast alles wurde durch Spenden getragen. Den Rest verdiente sich Eva durch Broarbeiten in der Tierarztpraxis dazu.

Nach wie vor hoffte sie auf ein Zeichen von Gregor, das aber leider nie kam. Durch die gemeinsame Freundin in Deutschland wusste sie, das es ihm besser ging. Er hatte wieder Arbeit gefunden und seine Schulden fast abbezahlt. Da sich vor Gericht herausstellte, dass die Kanzlei hintergangen worden war und von einem Angestellten illegale Dinge gedreht wurden, war der Schaden nicht so gro, wie am Anfang angenommen. Eva freute sich wahnsinnig fr Gregor, doch das sie immer noch getrennt waren tat ihr weh. Langsam wurde ihr Verlangen nach einer Aussprache immer grer. Mittlerweile wusste sie, trotz allem was vorgefallen war, sie wrde Gregor immer lieben.

Doch meist hatte sie keine Zeit fr trbe Gedanken, denn es kamen immer mehr Tiere in ihre Station, es musste Land dazugekauft und neue Unterknfte gebaut werden. Es kamen auch viele Besucher aus Deutschland, die ein Tier in ihre alte Heimat mitnahmen und ihm dort ein neues Zuhause gaben.

Eva wunderte sich die letzten Tage etwas darber, das Laura fast keine Zeit mehr fr sie hatte. Schon lange hatten sie keinen gemeinsamen Abend mehr am Meer verbracht. Auch diesen Abend erhielt sie eine Absage, mit der Ausrede sie htte noch ein paar Tiere zu versorgen.

Als Eva abends am Meer sa, berlegte sie, ob sie die Freundin verletzt htte. Doch sie konnte sich an keine Situation erinnern, wo dies der Fall htte sein knnen.

Gedankenverloren beobachtete sie Hope, die wie immer mit den Muscheln spielte. Und wie immer kreisten ihre Gedanken schlielich um Gregor. Sie vermisste ihn, das war ihr klar. Eva fasste einen Entschluss, sie wrde Laura fragen ob sie die Station fr ein paar Tage alleine leiten knnte. Sie wrde nach Deutschland fahren und das lngst berflssige Gesprch mit Gregor fhren. Voll Vorfreude stand sie auf und rief nach Hope, die auch sofort bermtig angesprungen kam. Eva bckte sich um ihre Tasche aufzuheben und Hope auf den Arm zu nehmen. Doch ein Gerusch lie sie aufhorchen. Hier war doch jemand. Das war absolut ungewohnt, denn hier war sie immer alleine gewesen. Im Mondenlicht drehte sie sich um und ihr stockte fast der Atem. Das konnte doch nicht sein, oder doch?

Eva lie die Tasche fallen und blieb wie angewurzelt stehen. Das war doch Gregor, ihr Gregor. Doch, was tat er hier auf der Insel? Woher wusste er, wo sie war?

In Evas Kopf drehte sich alles.

Sie musste sich setzen, denn ihre Knie waren weich. Langsam kam die Gestalt nher und es war wirklich Gregor. Eva fehlten die Worte.

Gregor setzte sich schweigend neben sie und schaute sie nur an. Sie konnte ein Lcheln auf seinem Gesicht erkennen und es wurde ihr warm ums Herz. Wie von selbst lehnte sie sich an seine Schulter und genoss das Gefhl der Geborgenheit, als er seinen Arm um sie legte.

Gebannt lauschte sie seiner Stimme, als er zu erzhlen begann. Wie hatte sie ihn doch vermisst.

Gregor erzhlte, dass er einige Zeit gebraucht hatte um zu verstehen, warum sie gegangen war. Das er sich unheimlich geschmt und nicht den Mut hatte, sie anzurufen. Erst als ihre gemeinsame Freundin viel ber ihr neues Leben berichtete, hatte er sich aufraffen knnen, sein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Und auf einmal war es ihm gar nicht mehr schwer gefallen, und das er sich vorgenommen hatte, wenn alles erledigt war, wrde er sie aufsuchen. Und sie um eine neue Chance fr ein gemeinsames Leben bitten.

Fragend sah er sie an. Evas Gesicht war von Trnenspuren gezeichnet, als sie ihn in die Augen blickte. Das war der Augenblick, den sie sich ertrumt hatte das ganze letzte Jahr.

Doch, was war mit ihrer Station? Wie sollte die denn ohne sie laufen? Wer wrde sich um die Tiere kmmern? Sollte sie das alles wirklich verlassen?

Eva wusste, dass sie das nicht konnte. Das hier war ihre neue Heimat, und hier wollte sie bleiben. Bei all den Freunden und bei ihren Tieren. In ihrem winzigem Haus, einfach bei allem, was ihr Halt gegeben hatte in der schwersten zeit ihres Lebens.

Doch wie wrde Gregor das aufnehmen? Konnte sie ihm das einfach so sagen? Wrde er nicht schwer verletzt sein?

Eva holte tief Luft, dann begann sie zu erzhlen. Von ihrem Leben hier, von all der Arbeit und den Schwierigkeiten, von ihren neuen Freunden und natrlich von ihren Tieren. Das sie ihre Erfllung hier auf dieser Insel gefunden hatte.

Gregor hrte ihr zu, ohne sie zu unterbrechen. Als Eva schwieg, sah er ihr fest in die Augen. Er konnte ihre Unsicherheit erkennen. Dann erklrte er ihr, dass er beruflich nicht an Deutschland gebunden war. Er hatte sich im Internet selbstndig gemacht und das er, wenn sie es wollte, seinen Beruf auch von hier aus ausfhren knne. Ab und an wrde er wohl fr ein bis zwei Wochen mal nach Hause mssen, aber das liee sich regeln. Er htte sich da schon vor seiner Reise zu ihr seine Gedanken darber gemacht. Da er ja wusste, was sie hier aufgebaut hatte, konnte er sich von vorne herein vorstellen, das sie nicht mehr zurck kommen wollte.

Eva war sprachlos, er hatte sein leben wirklich in den Griff bekommen. Gregor war wieder der Alte, der mit Elan und Eifer in seinem Beruf aufging.

Als er sie in die Arme zog und fest an sich drckte, warf Eva ein Blick in den Sternenhimmel. In diesem Moment fiel eine Sternschnuppe zur Erde.

Ein leichtes Lcheln zog ber ihr Gesicht, als Gregor sie sanft ksste.

Es stimmte also doch, Sternschnuppen knnen Wnsche wahr machen.

 

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